Freiräume | Kultur

Alternative (T)räume in Dresden

Dass der Immobilienboom in der Stadt für viele Mieterinnen und Mieter spürbare finanzielle Folgen hat, ist keine Neuigkeit. Von der damit einher gehenden Umstrukturierung ebenfalls betroffen sind zahlreiche Freiraumprojekte in der Stadt. Während sich die Stadt, aber auch die Kommunalpolitik bis auf wenige Ausnahmen bislang sehr zurückhaltend gezeigt hat, machen zahlreiche der mittlerweile geschlossenen unkommerziellen Projekte deutlich, dass dieses Thema nichts an Aktualität verloren hat. Doch welche Projekte sind das, die aktuell von einer Schließung bedroht sind und an welcher Stelle gibt es Möglichkeiten, diese Ideen zu unterstützen, um damit auch längerfristig Freiräume in der Stadt zu erhalten?

Um Brandschutzauflagen zu erfüllen und einen Umnutzungsantrag zu stellen, versucht das vor einem Jahr eröffnete Wächterhaus am Emerich-Ambros-Ufer 42 (EAU42) mit einer Crowdfunding-Kampagne die für den Erhalt notwendigen finanziellen Mittel einzusammeln. Das Konzept der als Wächterhäuser bekannt gewordenen Gebäude sieht vor, teilweise über mehrere Jahre leerstehende Häuser als Raum für künstlerische, kulturelle und soziale Projekte wieder zu beleben. Auch für den Besitzer der Immobilie hat diese Form der Zwischennutzung Vorteile, schließlich sorgen die Mieterinnen und Mieter nicht nur dafür, dass das Gebäude nicht verfällt, sondern sie zahlen gleichzeitig auch für alle anfallenden Nebenkosten.

Wie groß der Bedarf an kreativen Freiräumen in der Stadt ist, zeigt sich daran, dass binnen kürzester Zeit alle 27 Räume des ehemaligen Wohnhauses mit Leben gefüllt worden sind und der Ort damit einen großen Beitrag für das soziokulturelle Leben in Dresden leisten konnte. Das erklärte Ziel des EAU42 ist es, gemeinsam mit dem Verein HausHalten Dresden e.V. bezahlbare Räumlichkeiten für künstlerisch und kulturell engagierte Menschen und Vereine zu schaffen. Damit dieses Projekt jedoch in den nächsten Jahren weiter bestehen kann, ist es auf Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. Und es sieht gut aus, von den bis Ende Mai benötigten 4.300 Euro sind bisher schon fast 2.700 Euro zusammengekommen.

Etwas anders stellt sich die Situation in einem im Oktober 1999 besetzten Hausprojekt auf dem Grundstück der Robert-Matzke-Straße 16 im Stadtteil Pieschen dar. Obwohl Ende der 1990er Jahre im Rahmen einer Öffentlichkeitskampagne zwei besetzte Villen wieder geräumt werden mussten, gelang es den damaligen Besetzerinnen und Besetzern nach Verhandlungen einen über 12 Jahre laufenden Nutzungsvertrag abzuschließen. Trotz einer Vielzahl von Naziangriffen, die am 24. August 2010 mit einem Brandanschlag ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten, konnte sich das Haus als Veranstaltungsort für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, politische Diskussionsrunden und Vorträge zu etablieren.

Als auf Bestreben des Sächsischen Landeskriminalamt (LKA) der Vermieterin eine Prüfung der Räumlichkeiten nahegelegt wurde, besuchte das städtische Bauaufsichtsamt (BAA) die Veranstaltungsräume und untersagte deren weitere Nutzung bis zur Erfüllung verschiedener Brandschutzauflagen. Seitdem finden Veranstaltungen nur noch gelegentlich im Hof und Garten statt. Für das inzwischen zum Verkauf stehende Gebäude besitzt das Hausprojekt ein Vorkaufsrecht. Aus diesem Grund haben sich die derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohner dazu entschlossen, dem Mietshäuser Syndikat beizutreten, um mit der Unterstützung dieses deutschlandweiten Zusammenschlusses aus Hausprojekten und Initiativen zu versuchen, das Gebäude zu kaufen und anschließend zu sanieren. Geplant ist, 175.000 Euro über Direktkredite zu sammeln und zusätzlich einen Bankkredit in Höhe von 100.000 Euro aufzunehmen.

Weniger positiv sind die Aussichten für den räumungsbedrohten Freiraum Elbtal e.V. an der Leipziger Straße. So soll der Freiraum demnächst für das umstrittene Großprojekt „Hafencity“ weichen. Auf dem etwa fünf Hektar großen und weit über Dresdens Stadtgrenzen hinaus bekannt gewordenen Gelände entstand bereits vor sechs Jahren ein Ort, an dem sich Kunst- und Kulturschaffende zuhause fühlen können. Gleichzeitig zeigt der Wille und die Bereitschaft vieler Menschen, diesen Ort lebendig zu halten, dass es noch immer möglich ist, unkommerziell und ohne öffentliche Förderung einen Freiraum ganz nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Erst am 12. April hatten mehrere hundert Menschen mit einem bunten Rahmenprogramm ein großes Frühlingsfest auf dem Gelände unweit der Dresdner Innenstadt gefeiert. Ob und wie es nun weitergeht, wird sich spätestens am 29. April entscheiden, wenn in einer öffentlichen Verhandlung am Landgericht über die Räumungsklage entschieden werden wird.

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