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07.01.2010 Buchvorstellung und Diskussion

Irrsinn der Normalität. Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus

Wann? 7. Januar 2010, 20.00 Uhr
Wo? AZ Conni Dresden
Wer? VertreterIn der Projektgruppe Nationalismuskritik (Frankfurt am Main)

Das öffentliche, im wörtlichen Sinne unverschämte Bekenntnis zur Nation ist mit dem Sommer 2006 Normalität geworden – und damit auch ein mehr oder weniger neuer deutscher Nationalismus. Die Männer-Fußball-WM stellt nicht zuletzt den Kulminationspunkt eines langen Prozesses der Umwidmung der Bonner zur Berliner Republik dar. Wurde die WM auch als Ausnahmezustand, als Sprung aus dem faden Alltag erfahren, so war doch Normalität ihr Dreh- und Angelpunkt: Die Normalität Deutschlands, die Normalität des Bekenntnisses zur Nation, die Normalität des deutschen Alltags.

Aus der Perspektive kritischer Gesellschaftstheorie sind es gerade diese ‚normalen’ und deshalb voraussetzungslos erscheinenden Zustände, die es in ihrer Genesis zu begreifen und als Irrsinn in die Kritik zu nehmen gilt. Eine solche Theoretisierung der Normalität des deutschen Nationalismus steht vor der Aufgabe, zwischen allgemeinen Bestimmungen der Nation als Konstrukt bürgerlich-kapitalistischer, nationalstaatlich verfasster Gesellschaften und den besonderen, oder – angesichts des „Zivilisationsbruchs Auschwitz“ (Dan Diner) – besser: singulären Bestimmungen der Nationskonstruktion in Deutschland zu vermitteln – eine Aufgabe, deren adäquate Lösung bis heute aussteht. Der vorliegende Sammelband soll dazu beitragen, die Vielschichtigkeit des Phänomens eines normalisierten deutschen Nationalismus kenntlich zu machen und dazu anregen, sich der eben beschriebenen Aufgabe anzunehmen.

In der Veranstaltung wollen wir zwar das Buch vorstellen, aber vor allem der Frage nachgehen, inwiefern sich der deutsche Nationalismus über die Propagierung von Normalität reartikuliert hat und wie sich dabei der Bezug auf die deutsche Vergangenheit verändert hat.

Info: Dampfboot Verlag

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