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Ein Denkmal für Dresden…

Heute hatte die Sächsische Zeitung in Dresden zu einer Diskussionsveranstaltung im Haus der Presse geladen, um über die Ausrichtung des Gedenkens am nächsten 13. Februar und über einen Denkmalvorschlag einer von lokalen Prominenten getragenen Bürgerinitiative zu diskutieren. Hier ein paar Eindrücke für alle die nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen konnten.

Begonnen hat die Debatte mit der Veröffentlichung eines Vorschlags in der Sächsischen Zeitung für ein neues Denkmal zur Bombardierung in Dresden. Eine Art Skulptur mit 4 Metern Höhe und 10 Metern Breite sollte auf einem momentan freien Rasenplatz neben dem Theaterplatz an der Semperoper einen Menschen darstellen, der sich aufbäumt und damit quasi die Auferstehung Dresdens aus der Asche symbolisieren soll. Dieser Vorschlag offiziell zwar unterstützt von der Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz und dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und vorgebracht von Prominenten wie dem Dresdner Barocktrompeter Ludwig Güttler, Sänger Gunther Emmerlich und Michael Muster (war mal Ministerialdirigent im sächsischen Finanzministerium), stieß in Dresden selbst auf wenig Gegenliebe. Auch der Dresdner Kulturbürgermeister Lunau und die Kunstkommission, die über fördernswerte Kunst im öffentlichen Raum in Dresden entscheidet, lehnten den Denkmalvorschlag ab. Ein Grund ist sicherlich die abstrakte Darstellung des Denkmals, dass im Prinzip eine meterhohe 2-dimensionale Wand mit Löchern drin ist (siehe Bilder). Eine Erklärung des Arbeitskreis „Mythos Dresden“, welche die politische Dimension des Themas in den Vordergrund stellte, fand dagegen weniger Beachtung.

Nachdem die Debatte um das Denkmal langsam wieder einschlief und damit die Gefahr oder Hoffnung bestand, dass diese Idee als eine von vielen wieder in der Versenkung verschwinden würde, lud die Sächsische Zeitung heute zu einer Diskussionsveranstaltung im Haus der Presse ein. Grund war natürlich auch, dass der 13. Februar immer näher rückt, und sich bereits auf anderen Veranstaltungen, wie die von der Sächsischen Zeitung verschwiegenen Aktionskonferenz vom letzten Wochenende, über den Ablauf des nächsten 13. Februars in Dresden Gedanken gemacht wurde und man den „Linksextremisten“ nicht den Diskurs überlassen will. Trotz hochkarätiger Besetzung des Podiums, geladen waren Ludwig Güttler, Gunther Emmerlich, Ralf Lunau und Michael Muster, und tagelanger Werbung in der Sächsischen Zeitung für diese Veranstaltung, fanden sich gerade einmal um die 70 Zuschauer ein.

Der Moderator Peter Ufer von der Sächsischen Zeitung ließ dann als erstes Ludwig Güttler zu Wort kommen, der als erstes einen Vorschlag für einen Gedenkweg am 13. Februar vorstellte, an dem auch noch Personen wie Harald Bretschneider, in der der DDR beliebter Jugendpfarrer und einer der Initiatoren der „Schwerter zu Pflugscharen“-Bewegung, beteiligt. Stationen dieses Gedenkwegs sollen die Synagoge, die Frauenkirche, die Kreuz- und die Hofkirche und natürlich das vorgeschlagene Denkmal am Theaterplatz sein. Thematisiert werden sollen neben der Erinnerung an die Bombardierung auch menschenverachtende, extremistische Ideologien und es soll Frieden und Versöhnung angemahnt werden.

Ralf Lunau der Kulturbürgermeister stellte die überraschend konkreten Vorstellungen der Stadtverwaltung bzw. der Oberbürgermeisterin zum nächsten 13. Februar vor. Demnach wird von 14 – 16 Uhr zu einer Menschenkette aufgerufen. Diese soll vom Rathaus ausgehen und in die eine Richtung die Synagoge erreichen und in die andere Richtung über den Dr.-Külz-Ring bis zum Altmarkt gehen, je nachdem wieviel Menschen daran teilnehmen. Damit soll symbolisch ein menschlicher Schutzwall um die Altstadt gebildet werden, damit die Nazis da nicht reinkommen. Dabei wurde betont, dass man bewußt, den Dr.-Külz-Ring mit einbezieht, auf dem letztes Jahr noch die Nazis liefen.

Danach entspann sich eine kleine Diskussion unter Beteiligung vor allem der Älteren im Publikum, ob denn nun viele Dresdner schon gegen die Nazis auf der Straße waren, und dass der Verlauf im letzten Jahr nicht zufriedenstellend war. Die Demonstrationen von Gehdenken wurden als Wahlveranstaltungen der Parteien kritisiert, das Abschlußkonzert auf dem Theaterplatz als nicht angemessen und die Aktion der Oberbürgermeisterin als Spalterei dargestellt. Die Idee der Menschenkette als gemeinsame Veranstaltung wurde positiv aufgenommen. Dann entspann sich eine etwas absurde Diskussion darum, ob die Stadt nicht darauf hinwirken solle, dass es nur eine große Veranstaltung geben soll, wobei sich ständig gegenseitig mißverstanden wurde (ohne dass es je aufgeklärt wurde), ob es nun um eine zentrale Gedenkveranstaltung oder um geschlossenen Protest gegen die Nazis ging. Ralf Lunau musste dann gegen die Mehrheit andiskutieren, dass die Stadt nun mal nicht andere Veranstaltungen einfach untersagen kann, aber die Oberbürgermeisterin nur zu einer Aktion aufrufen wird. Auf Drängen von Güttler und einem Teil des Publikums, eine Art Bannmeile zu errichten, andere sprachen davon, dass die Polizei die Nazis schon außerhalb der Stadt abfangen müsste, ein älterer Herr forderte gar den Einsatz der Bundeswehr, erklärter Lunau, dass dem Problem Naziaufmarsch nicht juristisch beizukommen ist, und sich das Problem nur auf einen anderen Tag verlagern würde, und juristische Formalien nicht die notwendige Auseinandersetzung um das Thema ersetzen können.

Bemerkenswert war, dass sich offenbar alle darin einig waren, dass die Nazis ein Problem sind. Ärgerlich waren die Bestrebungen des Podiums, ständig von Rechts- und Linksextremismus zu reden, Peter Ufer brachte es gar fertig, von dem Problem der rechtsextremen und linksextremen Übergriffe in der Stadt zu reden, was völlig fernab jeglicher Realität ist. Auch Gunther Emmerlich schaffte es ständig, das Problem Nationalsozialismus auf das Thema Diktatur zu reduzieren, als ein älterer Herr an den Schwur von Buchenwald „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ erinnerte machte Emmerlich prompt „Nie wieder Krieg, nie wieder Diktatur“ daraus. Interessanterweise ging das nur vom Podium aus, für das Publikum war Linksextremismus offensichtlich überhaupt kein Thema.

Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es dann um den Denkmalvorschlag. Dabei wurden vor allem Kunstaspekte diskutiert. Obwohl Ralf Lunau mit der Ablehnung des Denksmals im Podium eine absolute Minderheitsposition hatte, bekam er den meisten Applaus vom Publikum. Für den Vorschlag waren nur offensichtliche Kapazitäten, die sich z. B. als Kunsthistoriker in der Runde präsentierten, während der Rest sich auch mit der Trümmerfrau am Rathaus und der Förster-Plastik „Der Trauernde Mann“ zufrieden geben würden. Die politische Dimension bei der Schaffung eines solchen künstlichen Gedenkorts in Dresden kam nicht zur Sprache. Insofern wirkte dieser Teil der Veranstaltung eher belanglos und war nur noch für an Kunst interessierte Menschen interessant.

Quelle: Indymedia (10.11.09)

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