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Informationen zum Obama-Besuch in Dresden (Update 04.06.)

Am 5. Juni wird der neu gewählte Präsident der Vereinigten Staaten Barack Hussein Obama zu einem Kurzbesuch in Deutschland erwartet. Neben eines Besuchs der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald in Thüringen, wird er auch in Dresden Station machen. Für die Kurzvisite wird die Dresdner Innenstadt mit 4.000 eingesetzten Beamtinnen und Beamten und einer eigens eingerichteten Sperrzone von Donnerstag bis Freitag Nacht zu einer Festung. Während seines Aufenthalts ist mit erheblichen Verkehrseinschränkungen zu rechnen. Straßenbahn- und Buslinien im Bereich des Theaterplatzes werden umgeleitet und für den innerstädtischen Bereich der Elbe gilt ein generelles Bade-, Schwimm- und Angelverbot. Die Augustusbrücke wird sowohl für Fahrzeuge als auch für Fußgänger vollständig gesperrt werden. Auch im Handynetz kann es zu Störungen kommen. Für nähere Informationen rund um den Staatsbesuch hat die Dresdner Polizei extra eine Hotline geschaltet. Unter der Nummer 0351 – 483 30 00 kann täglich von 10 bis 18 Uhr angerufen werden.

Am Donnerstag wird Obama an der Universität von Kairo eine an die islamische Welt gerichtete Rede halten und am Abend gegen 21 Uhr Ortszeit mit einem Tross aus 12 Maschinen in Dresden landen. Nach einer Nacht im Nobelhotel Taschenbergpalais und einem kurzen Kulturprogramm wird er sich offiziell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bronzenzimmer des wieder aufgebauten Dresdner Schlosses treffen. Während in den gestrigen Abendnachrichten des MDR Hobbyhistoriker Matthias Neutzner von der „Interessensgemeinschaft 13. Februar“ wieder einmal vom Versöhnungsgedanken der Frauenkirche gerade im Hinblick auf die Trauerfeierlichkeiten jedes Jahr im Februar sprach, sieht das die amerikanische Delegation offenbar anders und strich den ursprünglich geplanten Punkt aus ihrem Programm. Angesichts der weiteren Stationen seiner Reise, wäre das Vorhaben nicht nur fragwürdig, sondern pietätlos gegenüber den Opfern des Zweiten Weltkriegs gewesen.

Ob die Zeit für ein Foto mit der Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz oder dem sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich reicht, bleibt abzuwarten. Angesichts der bevorstehenden Kommunal- und Landtagswahlen in Sachsen, wären Bilder der CDU-Politprominenz mit dem mächtigsten Mann der Welt sicherlich die beste Wahlwerbung. Die Stadt Dresden veranstaltet eine Welcome-Party und ruft auf einer Sonderseite die Dresdnerinnen und Dresdner zu einem Fotowettbewerb auf. In der Rubrik „Bastelecke“ hat die Stadt alles notwendige zur Verfügung gestellt, um für den unwahrscheinlichen Fall den amerikanischen Präsidenten zu Gesicht zu bekommen, vorbereitet zu sein.

Um 13.45 Uhr wird der amerikanische Präsident mit einem Hubschrauber weiter nach Weimar fliegen, um die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald zu besichtigen, an dessen Befreiung sein Großonkel Charlie W. Payne mit einer US-Einheit im April 1945 beteiligt gewesen war. Nach einem kurzen Besuch des Militärhospitals Landstuhl in der Pfalz fliegt er weiter nach Frankreich, um gemeinsam mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy an den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 teilzunehmen.

(Update 04.06.)

Wider Erwarten wird Obama nun doch gemeinsam mit Angela Merkel nach ihrem 15 Minuten Gespräch und einer Pressekonferenz im Schlosshof, der Frauenkirche einen Kurzbesuch abstatten. Die Kontinuität aus einer Rede an die islamische Welt und dem Besuch der Frauenkirche als sich selbst bezeichnendes Symbol für die „Sinnlosigkeit des Krieges“ aber auch dem „Willen zum Wiederaufbau“ wie es inzwischen nicht mehr nur aus Dresden, sondern auch aus dem Bundeskanzleramt zu hören war, lässt über die zukünftige Bedeutung der Frauenkirche schlimmes erahnen. Fatal ist nicht nur, dass sich Dresden damit international weiter als zentraler Ort der Versöhnung verkaufen wird, sondern auch der bezeichnende Ablauf des Präsidentenbesuchs, der in der von den alliierten Befreiern zerstörten Stadt beginnt. Erst anschließend geht es von Buchenwald, als einem zentralen Ort deutscher Barberei in die Normandie, in der 1944 die alliierten Truppen landeten, um den Nazigreuel in Europa zu beenden.

Darüber hinaus ist auch ein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Dresden im Beisein von Oberbürgermeisterin Helma Orosz angedacht. Ob Orosz auf Grund ihrer Defizite in der englischen Sprache dabei von einem Double ersetzt wird und wie das Goldene Buch in die Frauenkirche kommt sind Fragen, die spätestens morgen Nachmittag geklärt sein dürften. Eine Begegnung des Präsidenten mit der Bevölkerung ist bis auf wenige akkreditierte Ausnahmen nicht vorgesehen.

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