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Dresden: 4000 auf Black Lives Matter-Demonstration

6. Juni 2020 - 19:27 Uhr

Heute versammelten sich tausende Menschen am Altmarkt, um unter dem Motto „Black Lives Matter“ gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Die Resonanz übertraf die Erwartungen der Organisator:innen bei weitem. Ursprünglich war die Demonstration für 400 Menschen angemeldet, letztlich kamen mit 4.000 etwa zehnmal so viele Menschen. Damit war es die bisher größte Demonstration in sächsischen Landeshauptstadt im Jahr 2020. Sie fand im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages in Gedenken an den ermordeten Afroamerikaner Georg Floyd statt. Floyd war am 25. Mai 2020 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota durch einen Polizisten getötet worden. Deutschlandweit gingen in dutzenden Städten mehrere zehntausend Menschen auf die Straße.

Zum Auftakt der Versammlung schwiegen die Demonstrant:innen für 8:46 Minuten – so lange wie der US-Polizist auf dem Nacken von George Floyd kniete, bis er bewusstlos wurde. Anschließend schilderten schwarze Menschen ihre Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland und unterstrichen, dass Rassismus kein Problem alleiniges Problem der USA ist. Nach dem Auftakt zog die Demonstration zur Polizeidirektion an der Schießgasse. Vor dem Gebäude wurden die Namen von Menschen verlesen, die durch rassistische Polizeigewalt in Deutschland gestorben sind. Genannt wurden unter anderem die Fälle von Christy Schwundeck, Oury Jalloh, Amad Ahmad und Achidi John.

Kritisiert wurde, dass die Politik rassistische Polizeigewalt leugnet. Die Demonstrierenden forderten grundsätzliche Veränderungen bei der Polizei, ein Redebeitrag erneuerte die Forderung nach einer unabhängigen Beschwerdestelle als Anlaufstelle für Betroffene von unrechtmäßiger Polizeigewalt. Viele nutzten die Möglichkeit des offenen Mikrofons. So berichtete ein 19jähriger Geflüchteter von regelmäßigen Beleidigungen in Dresdner Straßenbahnen. Anschließend dankte er aber auch den zahlreichen solidarischen Menschen auf der Demonstration. „Wir bleiben hier, wir tanzen und Dresden bleibt bunt“, endete das emotionales Statement.

Anschließend zog der kaum zu überblickende Demonstrationszug weiter über die Carolabrücke bis zum Jorge-Gomondai-Platz, wo am späten Nachmittag die Abschlusskundgebung stattfand. Eine Aktivistin aus Nürnberg kritisierte in ihrer Rede die Aussagen Horst Seehofers (CSU) zum neuen Berliner Antidiskriminierungsgesetz (LADG). Das Gesetz sei ein Fortschritt, es sieht vor, dass Bürger:innen, die Opfer von Diskriminierungen durch die Polizei geworden sind, Schadensersatz einfordern können. Seehofer erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, das Gesetz zeige ein „fragwürdiges Staatsverständnis“ und warnte davor, die Polizei unter Generalverdacht zu stellen. „Wenn Antirassismus ein fragwürdiges Staatsverständnis ist, dann ist es an der Zeit diesen kolonial-rassistischen Nationalstaat in Frage zu stellen“, erwiderte die Aktivistin in ihrer Rede, die mit viel Applaus bedacht wurde.

Ein Redner am offenen Mikrofon zeigte sich erfreut über die vielen Menschen, die am heutigen Tag ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt haben. Jedoch ärgere ihn, dass erst über Rassismus geredet werde, wenn Menschen sterben: „Warum reden wir nicht über Rassismus wenn diskriminiert wird, wenn andere Menschen genötigt werden oder aus der Gesellschaft raus gedrängt werden?“. Die Reden wurden immer wieder von „Black Lives Matter“-Sprechchören begleitet. Zahlreiche Teilnehmenden hatten Schilder mitgebracht, auf denen unter anderem die Worte „I can’t breathe“ oder „Black Lives Matter – Nein zu Rassismus“ zu lesen war.

Titelbild: Daniel Meißner


Veröffentlicht am 6. Juni 2020 um 19:27 Uhr von Redaktion in Antifa, Soziales

Ergänzungen

  • Hallo,

    ich war dabei und die Reden waren sehr bewegend und traurig! Ich als heterosexueller, weißer, atheistischer, „privilegierter“ Mensch möchte nächste Woche etwas sagen und meinen Teil beitragen. Könnte mir irgendjemand verraten, wie ich an die Kontaktdaten der Veranstalter komme?

    Vielen Dank!

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