Antifa

Ein etwas anderer Montag in Dresden

31. Mai 2019 - 14:38 Uhr

Da am vergangenen Montag keine der sonst üblichen PEGIDA stattfand, hatte die Gruppe „Hope“ nicht zum Gegenprotest, sondern zu einer Tanzdemo aufgerufen. Unter dem Motto: „Tanzen gegen den Rechtsruck“, versammelten sich dazu einen Tag nach den Europa– und Kommunalwahlen 150 Menschen am Bahnhof Neustadt. Die Demonstration wurde von weiteren Gruppen wie dem „Bündnis Dresden Nazifrei“, der „Tolerade“ oder „Herz statt Hetze“ unterstützt.

Im zuvor veröffentlichten Aufruf kündigte „Hope“ an: „unabhängig vom Ausgang der Europa- und Kommunalwahl vom Vortag nicht die Köpfe in den Sand [zu] stecken“, sondern vielmehr gemeinsam zu tanzen und lauter zu sein als der Hass. So geschah es dann auch. Nach einem Redebeitrag der Gruppe „Nationalismus raus aus den Köpfen“, welcher die montäglichen Proteste gegen PEGIDA thematisierte, setzte sich der bunte Demonstrationszug in Bewegung. Zu der Musik der bekannten lokalen Djane, Drag Queen und einstigen OB-Kandidatin, Lara Liquer tanzte sich die Menge in Richtung des Landtags.

Dort appellierte die „Antifaschistische Initiative Löbtau“ an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass gerade wegen der Wahlergebnisse nicht die Zeit sei, ins „grüne Leipzig“ oder nach Westdeutschland zu gehen. Darüber hinaus stellte sie ihre Veranstaltungsreihe „Rebellisch – Solidarisch – International“ vor. Jeden Mittwoch im Juni werden im Löbtauer Nachbarschaftscafe „PlatzDa“ geflüchtete Nachbarinnen und Nachbarn über die politische Situation in ihren Heimatländern berichten. Anschließend gab Dresden Nazifrei einen kurzen Rückblick auf die Proteste gegen den NPD-Aufmarsch am 1. Mai. Abschließend wurde noch einmal dazu aufgerufen, sich an den Protesten gegen den „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) am 1. Juni in Chemnitz zu beteiligen. Zusammen mit der URA-Dresden wird zur gemeinsamen Anreise nach Chemnitz mobilisiert.

https://twitter.com/HamoniMonika/status/1133059450921717761

Nach den Reden am Landtag ging es weiter zum Postplatz über die Wilsdruffer Straße, wo am Parteibüro der AfD einige Demonstrationsteilnehmerinnen ihre Abneigung gegenüber der Partei kreativ zum Ausdruck brachten. Auf dem Rathausvorplatz wurde eine weitere Zwischenkundgebung abgehalten, bei der von der Gruppe „Hope“ ein Redebeitrag über den Rechtsruck bei den Kommunal- und Stadtratswahlen in Sachsen und Dresden verlesen wurde. Am Abend zuvor hatte die AfD trotz Verlusten gegenüber den letzten Bundestagswahlen den Einzug in vielen sächsischen Gemeinden als stärkste Kraft geschafft.

In einem weiteren Beitrag berichtete die „Tolerade“ über ihre Kampagne gegen die Sperrstunde für Musikclubs in Dresden. Mitte vergangenen Jahres hatte eine Mehrheit der Abgeordneten des Leipziger Stadtrats gegen die Sperrstunde in der Messestadt gestimmt. Das Begehren war zuvor von der Abgeordneten Juliane Nagel (Die Linke) eingebracht und durch eine Kampagne von Kulturtreibenden begleitet worden. Am Tag der Abstimmung demonstrierten mehrere hundert Menschen vor dem Leipziger Rathaus, um ihrem Anliegen einer unregulierten Feierkultur Gehör zu verschaffen. Ob ein solches Vorhaben auch in Dresden Erfolg haben wird, ist Angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat zumindest fraglich.

Anschließend setzte sich die Tanzdemonstration in Richtung Neustadt in Bewegung und fand schließlich am Alaunpark ihren Abschluss. Auf dem Weg dahin hatte sich vor der Neustädter Kneipe „Fiasko“ in der Görlitzer Straße eine kleine Gruppe Störer eingefunden, welche die vorbeiziehenden Demonstrationsteilnehmerinnen und Teilnehmer beschimpften. Im Umfeld des „Fiasko“ bewegen sich schon seit Jahren immer wieder „rechtsoffene“ Personen, die in der Vergangenheit bereits mehrfach dabei auffielen, erkennbar antifaschistisch eingestellte Menschen zu bedrohen und einzuschüchtern. Bis auf diese Situation, verlief die Demonstration jedoch ohne weitere Zwischenfälle. Am kommenden Montag will PEGIDA erneut in der Innenstadt demonstrieren.

Titelbild: @Florenturna


Veröffentlicht am 31. Mai 2019 um 14:38 Uhr von Redaktion in Antifa

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