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Solidaritätsdemonstration in Dresden für die nordsyrischen Gebiete

10. Oktober 2019 - 17:10 Uhr

Hunderte Menschen versammelten sich spontan am Mittwochabend und zogen mit einer Demonstration durch die Dresdner Neustadt. Anlass waren die ersten Bombardierungen auf die größtenteils von Kurdinnen und Kurden bewohnten Gebiete in Nordsyrien durch die Türkei. Die Versammlung verlief ohne Zwischenfälle und wurde gegen 22:30 Uhr am Albertplatz beendet. Nicht nur in Dresden demonstrierten Menschen gegen die türkische Militäroffensive. Auch in Berlin und Hamburg gingen tausende Menschen auf die Straße. Neben der Solidarität mit den vom türkischen Angriffskrieg bedrohten Menschen in den selbstverwalteten Gebieten Nordsyriens wurde dabei auch der rechtsterroristische Anschlag auf eine Synagoge in Halle thematisiert, bei dem zwei Menschen ermordet wurden.

Bereits einige Stunden nachdem die Nachrichten vom Beginn der Militäroffensive in Nordsyrien in den Medien die Runde machten, riefen mehrere Gruppen in Dresden zu einer Spontankundgebung am Albertplatz auf. In einem Aufruf des Internationalistischen Zentrum Dresden heißt es: „Seit Montag erreichen uns die Nachrichten von dem durch Trump angeordneten Rückzug der amerikanischen Truppen aus Syrien. Was sich bereits angebahnt hat, wurde heute bittere Realität: Erdogan nutzt die Gunst der Stunde und lässt keine Zeit verstreichen, militärisch gegen das demokratische und mehrheitlich von Kurdinnen und Kurden bewohnte Autonomiegebiet vorzugehen.“ Für das IZ-Dresden stellt der Angriff der Türkei „eine weitere Eskalation im Syrienkrieg“ dar, welcher „die bisher relativ friedliche Region destabilisieren und zenhtausende Menschen zur Flucht zwingen und viele Menschenleben kosten.“ wird.


Gegen 21 Uhr sammelten sich rund 250 Menschen am Albertplatz. In mehreren Redebeiträgen wurde die Situation der Kurdinnen und Kurden in Nordsyrien thematisiert, sowie Kritik an dem autoritären Regime Erdoğans geübt. Die deutsche Regierung wurde aufgefordert, die Waffenexporte in die Türkei sofort zu stoppen. Die Undgomatische Radikale Antifa Dresden (URA) thematisierte in einem Beitrag den Zusammenhang des antisemitischen Terroranschlags in Halle und den türkischen Angriffen auf die kurdischen Autonomiegebiete: Ihrer Auffassung nach seien die Angriffe Beispiele für eine faschistische Ideologie, in der mörderische Taten mit einer Ungleichwertigkeit von Menschen legitimiert werden. 

Später setzte sich die Menge unangemeldet in Bewegung und zog unter Sprechchören wie: „Alle zusammen gegen den Faschismus“ oder „Deutsche Panzer raus aus Kurdistan“ über die Alaunstraße und Louisenstraße in Richtung Alaunpark. Von da aus ging es weiter über die Königsbrücker Straße zurück zum Albertplatz. Dort wurde auf die zur Zeit stattfindende Kurdistanwoche aufmerksam gemacht. In mehreren Veranstaltungen wird darin die Situation von Kurdinnen und Kurden behandelt. Sie soll, so die Veranstalter gegenüber addn.me, jetzt auch dafür genutzt werden, sich zu vernetzen und weitere Aktionen in Solidarität mit den angegriffenen Gebieten zu planen. „Die Veranstaltungsreihe hat eine traurige Aktualität und Notwendigkeit bewiesen. Jetzt ist es umso wichtiger, diese Plattform zu nutzen, ins Gespräch zu kommen und zu schauen, wie wir aktiv und praktisch die kurdische Freiheitsbewegung gegen Erdoğans Faschismus unterstützen können“, so eine der Organisatorinnen.

Für einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfte die Demonstration ein trauriges Déjà-vu gewesen sein. Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren waren in Dresden mehrere hundert Aktivistinnen und Aktivisten gegen den Angriff des Islamischen Staat (IS) auf die kurdische Stadt Kobanê, für deren erneuten Angriff das türkische Militär Medienberichten zufolge gerade Streitkräfte zusammen zieht, auf die Straße gegangen. Die damalige Demonstration war von Lutz Bachmann gefilmt und anschließend dafür genutzt worden, mit PEGIDA gegen eine vermeintliche Islamisierung auf die Straße zu gehen. Die rassistische Bewegung feiert am Sonntag, 20. Oktober ihr inzwischen schon fünfjähriges Bestehen.

Mit dem neuerlichen Angriff droht in Kobanê fünf Jahren nach der Verteidigung gegen den islamistischen Terror des IS erneut ein Krieg mit ungewissen Ausgang. Ein Teilnehmer der Demonstration zeigte sich schockiert von den Umstand: „Leider hat sich in den letzten fünf Jahren kaum etwas zum Guten gewandelt. Der Arabische Frühling war nur ein lauer Frühlingstag. Die Kurdinnen und Kurden sind bedrohter den je. PEGIDA hat in Sachsen und Deutschland rassistische Gewalt gesellschaftsfähig gemacht. Die mörderischen Auswirkungen haben wir leider gestern in Halle zum wiederholten Mal erlebt.“ Dennoch zeigte sich der Teilnehmer gegenüber addn.me nicht nur resigniert: „Die bestehende Situation sollte für uns umso mehr Anlass sein, unsere Forderungen nach einen solidarischen Leben auf die Straße zu tragen. Solidarität ist einer unserer stärksten Waffen und unterscheidet uns von all denen, die Ausgrenzung und Rassismus propagieren.“


Veröffentlicht am 10. Oktober 2019 um 17:10 Uhr von Redaktion in Antifa, Soziales

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