Freiräume

Gentrifizierungsprotest: Kreuzung in der Neustadt besetzt

30. Oktober 2016 - 16:07 Uhr

Unter dem Motto: „Ihr nehmt uns die Wohnung, wir nehmen uns die Straße“ hat am Freitagabend eine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten einen beliebten Treffpunkt im Party- und Szeneviertel Äußere Neustadt besetzt, um damit auf die zunehmende Gentrifizierung ihres Viertels aufmerksam zu machen. Dazu wurde der Kreuzungsbereich von Görlitzer/Rothenburger Straße – Louisenstraße mit Sofas, Tischen und Teppichen als Wohnzimmer eingerichtet. Das Ziel der etwa dreistündigen Blockade war es, einen offenen Gesprächsraum zu schaffen, um über die stetig steigenden Mieten und die Verdrängung von prekären Bevölkerungsschichten aus ihren Wohnungen zu sprechen.

Darüber hinaus wurden im Laufe des Abends hunderte Flyer verteilt, in denen Passantinnen und Passanten noch einmal über den Hintergrund der Besetzung informiert wurden. Die Polizei zeigte sich für Dresdner Verhältnisse erstaunlich kooperativ und beschränkte sich nach der Anmeldung einer Spontankundgebung darauf, die Zugangsstraßen abzusperren, während die Straßenbahn umgeleitet werden musste. Eine Sprecherin der Gruppe zeigte sich im Nachgang zufrieden und kündigte weitere Aktionen an.

In ihrem verteilten Flyer verwies die Gruppe auf zunehmende Verdrängung von Menschen mit alternativen Lebensentwürfen durch den ihrer Ansicht nach „übertriebenen Ausbau“ von Wohnraum für besser verdienende Teile der Bevölkerung: „Wir sehen, dass die Szene, die wir aufgebaut und mitgestaltet haben, nun kapitalisiert wird und wir unerwünscht sind. Aber wir werden künftig Zwangsräumungen und die Abschaffung von Sozialwohnraum nicht mehr unwidersprochen hinnehmen.“

Weiterer Artikel: Ein Wohnzimmer am Assieck


Veröffentlicht am 30. Oktober 2016 um 16:07 Uhr von Redaktion in Freiräume

Ergänzungen

  • Aus dem platzhirschenden Cornen, das man ohnehin jeden zweiten Abend dort betreibt, wird noch kein politischer Protest, nur weil man ein paar Stühle und Sofas aus anliegenden WGs rausschleppt und Flyer an Spätshopbesucher und Flaschensammler verteilt. Ohnehin findet die sichtbare Gentrifizierung gerade eben nicht mehr hauptsächlich in der Neustadt, sondern durch den massiven Eigentumswohnungsneubau in Alt- und Innenstadt statt. Dort wäre tatsächlich auch reichlich Bauland, um Sozialwohnungen und Hochhäuser hochzuziehen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.