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Şehîd Namirin! – Hunderte nehmen in Dresden Abschied von Halil Şen

5. März 2021 - 12:48 Uhr

Rund 300 Menschen versammelten sich am Mittwochnachmittag vor den Vereinsräumen der „Deutsch-kurdischen Begegnungen“ auf der Oschatzer Straße im Dresdner Stadtteil Pieschen. Sie alle wollten von Halil Şen Abschied nehmen, der sich drei Wochen zuvor vor dem Sächsischen Landtag selbst entzündete und wenig später an den Folgen seiner Verletzungen verstarb. Viele der Teilnehmer:innen waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist, um Halil die letzte Ehre zu erweisen. Die Veranstaltung verlief ohne größere Zwischenfälle.

Bereits vor Beginn der Trauerkundgebung war die abgesperrte Oschatzer Straße mit kurdischen Flaggen geschmückt worden. Vor dem kurdischen Kulturverein wurde der Sarg aufgebahrt und in mehreren Reden das politische Leben des 49-jährigen gewürdigt. Dazu wurde auch aus seinem Abschiedsbrief vorgelesen, in dem er gegen die Inhaftierung des PKK-Führers Abdullah Öcalans protestierte. 

Die Isolation des seit 1999 auf der Gefängnisinsel İmralı inhaftierten Öcalans, sowie Hungerstreiks in der Türkei für dessen Freilassung dürften der Anlass für Halil gewesen sein, sich selbst das Leben zu nehmen. Darauf ging auch Cengiz Toy in seiner Ansprache ein, die er im Namen der Hilfsorganisation „Heyva Sor a Kurdistan“ hielt: „Er hat die Isolation von Abdullah Öcalan nicht hingenommen. Sein ganzes Leben ist im Widerstand vergangen. Sich an ihn zu erinnern, bedeutet seinen Kampf weiterzuführen.“

Auch der Dresdner Verein „Deutsch kurdische Begegnungen“, das Ortskomitee von „Women Defend Rojava“ und die „Initiative für Frieden in Kurdistan“ nahmen bei der Trauerveranstaltung Abschied von ihrem „Freund und Weggefährten“ Halil. Gegenüber addn.me betonten die Initiativen noch einmal, Selbstverbrennung als Protestform abzulehnen: „Wir rufen unsere Mitglieder und Sympathisierende auf, sich mit demokratischen Aktionsformen für die Freiheit und Rechte der kurdischen Bevölkerung einzusetzen“. Dennoch sei auch die Bundesregierung mitverantwortlich für die schreckliche Tat, da diese mit Waffenlieferungen an die Türkei dafür verantwortlich ist, dass sich die Menschenrechtsverletzungen an der kurdischen Bevölkerung forsetzen.

In einer Rede kondolierte auch der Anmelder der Kundgebung und Abgeordnete der Linkspartei in Sächsischen Landtag, Mirko Schultze, vor der Familie und den Angehörigen Halils. Darüber hinaus würdigte er das Engagement Halils, den er nach eigenen Angaben persönlich kannte, und unterstrich, dass die Linkspartei sich auch weiterhin für die Belange der kurdischen Autonomiebewegung einsezten werde.

Nach den Trauerbekundungen legten die Anwesenden vor dem aufgebahrten Sarg Blumen nieder, welcher anschließend mit einem Auto weggebracht wurde. Der Leichnam Halis soll nun in die Türkei überführt und in seiner Heimat beerdigt werden. Ein Beitrag, der unter dem Titel „Heval Halils Aktion“ in der kurdisch-türkischen Zeitung Yeni Özgür Politika erschien, beschreibt den Lebensweg Halils eindrücklich.

Auch wenn die durch die Polizei abgesicherte Veranstaltung ruhig verlief, kam es am Rande zu einer unschönen Szene. Wie die Polizei mitteilte, zeigte unweit der Kundgebung eine Person einen Hitlergruß. Die eingesetzten Beamt:innen nahmen die Personalien eines 47-Jährigen auf, der sich nun wegen des „Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ verantworten muss

Bild: https://twitter.com/ifk_sachsen/status/1367519954812207104/photo/1


Veröffentlicht am 5. März 2021 um 12:48 Uhr von Redaktion in International

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