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10 Jahre Revolution Rojava und Antifademo – einiges los in Dresden

26. Juli 2022 - 15:08 Uhr

Von wegen Sommerloch, am vergangenen Wochenende machten sich gleich mehrere Veranstaltungen in Dresden Konkurrenz. Während eine antifaschistische Demonstration durch Dresden Löbtau lief, besuchten Aktivist:innen der Initiative Frieden für Kurdistan die Waldbesetzung Heidebogen (Heibo) im nahegelegenen Ottendorf-Okrilla. Dort wurde gemeinsam mit den Besetzer:innen der 10. Jahrestag der Revolution in Rojava mit einem Vortrag, Tanz und Diskussionen gefeiert. Ebenfalls für eine ökologische Wende demonstrierte am Sonntag ein breites Bündnis aus Umweltgruppen mit einer Fahrraddemo gegen den geplanten Ausbau der A4.

Mehrere dutzend prokurdische Aktivist:innen fanden sich am Samstag in dem im Norden Dresdens gelegenen Waldgebiet Heidebogen ein. Anlass waren die Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Revolution in Rojava, die unter dem Motto „Die ökologische Gesellschaft aufbauen!“ in dem Waldstück gefeiert wurde. Seit 2012 sind die Gebiete in Nordsyrien selbstverwaltet. Die Kämpfer:innen der Selbstverteidigungseinheit YPG und der autonomen Einheit der Frauen YPJ waren dabei maßgeblich an der Zurückdrängung des Islamischen Staates beteiligt. Darüber hinaus wird in den Autonomiegebieten versucht, eine ökologische und feministische Lebensweise in die Praxis umzusetzen.

Anlässlich des 10 Jahrestages der Revolution in Rojava, hat das kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit Civaka Azad e.V. eine fünfteilige Interview-Reihe herausgebracht, die sich mit den verschiedenen Aspekten des revolutionären Prozesse beschäftigt. Neben persönlichen Einblicken und den Etappen der gesellschaftlichen Umwälzung, wird sich mit der Situation der Frauen , der humitären Hilfe und den theoretischen Grundlagen der Region im mittleren Osten auseinadergesetzt. 

Auch die Waldbesetzung Heibo in Ottendorf-Okrilla steht laut den Aktivist:innen für den Kampf gegen Umweltzerstörung und für ein ressourcenschonendes Leben. Seit rund einem Jahr ist das Waldstück am Rande des Kiesabbaugebiets der Kiesgrube Ottendorf-Okrilla besetzt, um damit den geplanten Abbau von 134 Hektar Kies zu verhindern. Durch den Abbau würden wertvolle Ökosysteme, wie das unter Naturschutz stehende Moor und Waldmoor unwiederbringlich zerstört werden. Insbesondere die Waldmoore sind aufgrund ihres Artenreichtums und ihrer Fähigkeit, als große CO2-Speicher zu dienen, wichtige Ökosysteme.

„Diese Besetzung ist unheimlich wertvoll und dieser Ort muss unbedingt geschützt werden. Ein Blick in das Kieswerk nebenan macht das ganze apokalyptische Ausmaß der Zerstörung dieses Ökosystems deutlich. Wir werden die Zusammenarbeit mit den Aktivist:innen hier auf jeden Fall weiter stärken. Eine ökologische Gesellschaft darf keine abstrakte Idee bleiben und hier wird sie ganz praktisch erfahrbar“, erklärte die „Initiative für Frieden in Kurdistan“ gegenüber addn.me.

Gegen rechte Umtriebe demonstrierten rund 150 zumeist junge Aktivist:innen im Dresdner Stadtteil Löbtau. Zu der Demonstration unter den Motto: „Löbtau bleibt Links“ hatten mehrere neue antifaschistische Gruppierungen aufgerufen. In einem Aufruf wurde kritisiert, dass es in dem im Dresdner Westen liegenden Stadtteil etablierte Nazistrukturen gibt. So existiert in Löbtau seit 2016 der zweite Thor Steinar Laden in Dresden. Auch die rechte Burschenschaft Arminia zu Leipzig in Dresden hat in dem Stadtteil Räumlichkeiten, die immer wieder für Veranstaltungen genutzt werden. Im vergangenen November kam es zu einem mutmaßlichen rechten Angriff auf das Nachbarschaftscafe „PlatzDa!“, bei den eine Scheibe eingeworfen wurde. Der Entstandene Sachschaden konnte jedoch durch Spenden solidarischer Nachbar:innen behoben werden.

Bis auf kleinere Provokationen verlief die Veranstaltung ruhig. An der lokalen Trinkhalle kam es zu einem Hiltlergruß, welcher von den eingesetzten Beamt:innen nur zögerlich geahndet wurde. Mittlerweile ermittelt die Polizei gegen eine 49-Jährige wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Symbole. Darüber hinaus soll sich im Umfeld der Versammlung eine kleinere Gruppe vermummter Nazis bewegt haben, die jedoch nicht näher an die Demonstration heran kam. Zuvor war eine Kamera der Organisator:innen durch eine vorbeifahrende Person zerstört worden. In den sozialen Medien wird nun zu Spenden zur Behebung des entstandenen Sachschadens aufgerufen.

Bild : Twitter Initiative für Frieden in Kurdistan


Veröffentlicht am 26. Juli 2022 um 15:08 Uhr von Redaktion in Antifa, International, Ökologie

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