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Rüstungswerbung an der TU Dresden stößt erneut auf Protest

Gestern haben Studierende wie schon im vergangenen Jahr mit einer Kundgebung gegen die Beteiligung von Rüstungsfirmen an der 21. bonding Firmenkontaktmesse protestiert. Auch in diesem Jahr präsentieren sich Firmen wie EADS und Diehl aber auch das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung den zahlreichen interessierten Studentinnen und Studenten als attraktive Arbeitgeber. Bei der zweitägigen Messe haben Studierende die Möglichkeit, sich über mehr als 150 Unternehmen zu informieren und mit den Firmen in Kontakt zu treten. Motto der Veranstaltung in diesem Jahr ist „Rock deine Karriere“.

Was einige der Firmen in ihrer Unternehmensbeschreibung jedoch gern verschweigen, ist ihr Verbindung zum Rüstungsgeschäft. So gehört zu den Geschäftszweigen der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) nicht nur der Bau von militärischem Fluggerät sondern auch die Herstellung von Trägersystemen für Streubomben und die Technologie zum Bau von Atombomben. Die Diehl Stiftung & Co. KG zählt zu Deutschlands größten Minen Produzenten. Aber auch der Industriekonzern ThyssenKrupp verdient sein Geld mit der Produktion von U-Booten und pflegt Wirtschaftsbeziehungen zu den islamistischen Machthabern im Iran.

Im Vorfeld hatte die für die Messe verantwortliche Studenteninitiative eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Begründung abgelehnt, unpolitisch zu sein und stattdessen versucht, Kritik an der Veranstaltung zu verhindern. In Redebeiträgen verwiesen die Protestierenden auf die Broschüre von 2010, in der Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle mit politischen Schlagworten wie Globalisierung, Arbeitsmärkte, Exzellenzinitiative und Bolognapaket für den Wirtschaftsstandort Deutschland warben.

In einem offenen Brief riefen die Protestierenden das Rektorat der Universität erneut dazu auf, die Zusammenarbeit mit Firmen, die Mitverantwortung für Kriegsopfer auf der ganzen Welt tragen, einzustellen und forderten die Verankerung einer Zivilklausel in die Grundordnung der Universität. Dazu verteilten sie vor dem Hörsaalzentrum Flugblätter und informierten interessierte Besucherinnen und Besucher der Messe an einem Informationstisch über die Hintergründe der beteiligten Unternehmen.

Weiterer Artikel: Politische Diskussion zur Messe unerwünscht

Kommentare

  1. Carla sagt:

    Auf der Messe wurden ziemlich krasse Bonding-Flyer verteilt. Wir als studentische Initiative gegen die Militarisierung der Uni haben uns darüber beim Rektorat beschwert.

    Der Rektor der TU, Prof. Müller-Steinhagen hat sich dankenswerterweise an bonding gewandt, um Ihnen nahezulegen, so etwas in Zukunft nicht mehr zu veröffentlichen.

  2. lissan sagt:

    @ carla:

    worum ging es denn in den bonding-flyern?

  3. Info.- Hecht. sagt:

    Derartige Werbeveranstaltungen, allerdings für Langzeitarbeitslose, werden auch gern einmal im ­Dorint Hotel in Dresden abgehalten! Wenn ihr eine „Einladung“ bekommt, macht es öffentlich!

  4. Franke für freie Informationen von ALLEN Seiten sagt:

    Hallo Carla. Du hast aber sicher auch die 2te Antwort des Rektors bekommen, oder?

    Dass es sich bei den Flyern um Fälschungen duch Gegner von Bonding handelt ist dir bewusst, oder? Der Rektor hat den verantwortlichen mit einer Anzeige gedroht.

    Informieren dürft ihr gern, nur lasst den anderen Studenten auch die möglichkeit sich über Arbeitgeber wie EADS, Thyssen etc. zu informieren und zwingt diesen nicht euer Weltbild auf. Danke.

  5. TT sagt:

    @Franke: Dass mit Fälschungen gearbeitet wird, ist mist und der falsche Weg. Schließlich macht man sich unglaubwürdig. Aber die Kritik an der Bonding ist dennoch berechtigt. Und bzgl. „jeder kann sich ja informieren“: Man sieht ja wunderbar wie das z.B. in der Lebensmittelindustrie funktioniert. Die meisten wissen da schon recht viel, zumidest dass man sich informieren kann und viele finden die Situation doof. Aber Konsequenzen gibts keine.

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