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TU Dresden plant umfassende Überwachung der Internetaktivitäten

Aus einer Stellungnahme des Informatik-Fachschaftsrats der TU Dresden geht hervor, dass an der Universität in Kürze ein 68.000 Euro teures Frühwarnsystem in Betrieb gehen wird. Das System soll nach Angaben des Zentrums für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (ZIH) dazu dienen, eventuellen Missbrauchsfällen vorzubeugen und Datenströme sicherer zu machen. Von Seiten der Studierenden wird befürchtet, dass damit in Zukunft detailliert Informationen über das Surfverhalten einzelner Nutzer und Nutzerinnen gesammelt und ausgewertet werden können.

Bereits Ende April hatte sich der Fachschaftsrat in einer umfassenden Erklärung zur geplanten Speicherung geäußert und die fehlende Transparenz bei der schon vor vier Jahren geplanten Rundumüberwachung kritisiert.

Inzwischen wurde in einem ersten Zugeständnis die Dauer der „kleinen Vorratsdatenspeicherung“ von ursprünglich fünf Tagen, auf zwei Tage reduziert. Dennoch bleibt fraglich, wo der Sinn der mehrere zehntausend Euro teuren Maßnahme liegen soll. So sind nach Angaben des Direktors des ZIH, Wolfgang Nagel, die Missbrauchsfälle an der TU im relevanten Bereich „Spamming“ seit 2007 deutlich zurückgegangen.

Kommentare

  1. Paul sagt:

    Studenten wehren sich gegen Überwachung

    Von Andreas Rentsch

    Die Technische Universität rüstet auf: Um ihr Datennetz sicherer zu machen und Missbrauch zu verhindern, soll bald ein 68000 Euro teures „Frühwarnsystem“ in Betrieb gehen, das ein- und ausgehende Informationsströme analysiert und bei Bedarf Alarm schlägt. Das geht aus einem internen Papier des Zentrums für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (ZIH) hervor.

    Schon jetzt wird hitzig darüber diskutiert. Studenten befürchten ein erhebliches Missbrauchspotenzial. Schließlich solle das System auch solche Daten vorübergehend speichern, die sich eindeutig einem Nutzer zuordnen lassen. „Starker Tobak“, schimpft beispielsweise ein Nutzer namens „Polygon“ im Forum des Studentenportals Exmatrikulationsamt.de. Im Prinzip handele es sich um „eine Vorratsdatenspeicherung, wenn auch mit kürzeren Speicherfristen.“ Andere Diskutanten spielen gedanklich problematische Szenarien durch – aus ihrer Sicht könnte bald überprüft werden, wie lange Mitarbeiter X an einem bestimmten Tag an der Uni arbeitet oder Student Y via Wohnheim-Zugang surft.

    ZIH-Chef Wolfgang Nagel verteidigt die verschärfte Kontrolle des Datennetzes, zu dem nach seiner Schätzung rund 10000 Rechner gehören. Im Übrigen handele es sich nicht um eine Überwachung, sondern um ein sogenanntes Netz-Monitoring, betont der Professor. „Wir wollen wissen, wenn sich ein Rechner anders verhält als normal, etwa, wenn er 30000 E-Mails pro Stunde versendet.“ Diese Form des Missbrauchs („Spamming“) sei seit 2007 zwar deutlich zurückgegangen, dafür hätten andere sicherheitsrelevante Vorfälle zugelegt. Deren Gesamtzahl lag 2008 bei 150 – in diesem Jahr seien bereits 400 registriert worden, sagt Nagel. Darunter waren allein 350 Probleme mit dem „Conficker“-Wurm.

    Der Fachschaftsrat Informatik hat sich erstmals im April mit dem Frühwarnsystem beschäftigt und dessen Einführung mehrmals einstimmig abgelehnt. Man sehe keine zwingende Notwendigkeit für eine Speicherung von Verkehrsdaten, heißt es in einem Sitzungsprotokoll vom 27. April. Allerdings haben die Studentenvertreter kein Veto-Recht. Entschieden wird im Rektoratskollegium und Senat der TU.

    Die Schar der Kritiker sei eher klein, versichert Wolfgang Nagel. „Unter diesen Studenten sind aber auch Meinungsführer.“ Nach der jüngsten Sitzung des Fachschaftsrats in dieser Woche haben die Vertreter der Uni angekündigt, die geplante Aufbewahrungsdauer der fraglichen Daten zu verringern. Gelöscht werden sollen diese nicht erst nach fünf Tagen, sondern bereits am Ende des zweiten Arbeitstages, der auf den Termin der Speicherung folgt.

    Gestern hat der Informatik-Fachschaftsrat eine aktualisierte Stellungnahme veröffentlicht. Darin wird kritisiert, dass die studentischen Gremien erst spät von den Planungen des ZIH informiert worden seien. „Zur Enttäuschung einiger stellte sich heraus, dass grundlegende Änderungen am System kurzfristig nicht realisierbar sind.“

    Die Nutzer des größten Dresdner Studentenportals kommentieren die Situation ähnlich. „Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen“, klagt Nutzer „abaddOn“. „Prof. Nagel wird das System so schnell wie möglich durchdrücken.“

    Die Online-Diskussion um das System:

    http://www.sz-link.de/fruehwarnsystem

    Quelle: Sächsische Zeitung (29.05.09)

  2. anonymous sagt:

    Das hat übrigens nur deswegen überhaupt Wellen geschlagen, weil es geleakt wurde. Ursprünglich war überhaupt nicht geplant, dass die Studenten im Vorfeld davon groß Wind bekommen sollten.
    http://wikileaks.org/wiki/Entwurf_Betriebsordnung_TU_Dresden_zum_Stealthwatch_Fruehwarnsystem%2C_2009

    Das Krasse daran ist, dass eben nicht nur alle Aktivitäten im Netz an der Uni überwacht werden. Das ist schon schlimm genug, aber alle Studenten die im Wohnheim wohnen, sind davon ebenso betroffen, die haben dann nicht mal mehr eine private Rückzugsmöglichkeit, sondern werden im Internet quasi rund um die Uhr beschattet.

    Ein bißchen Hintergrund wie diese stealth-Überwachung funktioniert gibts hier:
    http://www.cnct.de/fileadmin/user_upload/pdf/PDF-Lancope/Stealth%20Watch.pdf
    Das bedeutet, dass theoretisch auch Tunneln z.B. per VPN oder Tor unterbunden werden kann, wenn man will.

    Die Studentenzeitschrift CAZ hat auch schon über das Thema berichtet.
    http://www.mediavista-kg.de/caz-lesen.de/downloads/archiv/caz_ausgabe85_2009-04-27.pdf (Seite 6)

    Es sind zwar nicht so wenig Kritiker wie der Herr Nagel unterstellt, zumindest an der Informatikfakultät hört man eigentlich von Allen dass sie gegen dieses Frühwarnsystem sind, aber da die Studenten insgesamt sich eher nicht für sowas interessieren (vor allem die BWLler und so) und allgemein träge sind, da schließe ich explizit die Linken mit ein (bis auf wenige Ausnahmen hat man nicht mitbekommen, dass die da mehr Interesse zeigen oder gar Aktivität entwickeln), wird das Frühwarnsystem wohl kommen. Dank der Arbeit des FSR Informatik gabs wenigstens kleine Zugeständnisse, aber wenn da noch was passieren soll, müssen schon ein paar mehr Leute den Arsch hochbekommen, und zwar nicht erst wenn das System da ist, dann ist es zu spät.

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