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Auch Dresden vergisst nicht – Kundgebung zum Gedenken an den Anschlag in Hanau

26. Februar 2021 - 12:42 Uhr

Zum ersten Jahrestag des rassistischen Anschlags in Hanau gedachten auch in Dresden am 19. Februar 2021 Hunderte den Opfern. Rund 400 Menschen versammelten sich am frühen Abend auf dem Jorge-Gomondai-Platz zu einer Kundgebung. Aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus linken Gruppen. Die Veranstaltung verlief ohne Zwischenfälle. In der Nacht auf Freitag waren nach Mitteilung der Polizei, mehrere Graffiti im Stadtgebiet aufgetaucht, die in Zusammenhang mit Gedenkaktionen stehen.

Mit einer Schweigeminute wurde die Kundgebung in der Dresdner Neustadt unter dem Motto „Ein Jahr Hanau. Erinnern heißt verändern!“ eröffnet. In einem Aufruf des Ermittlungsausschuss Dresden (EA) heißt es zum Anlass: „Hanau wurde an diesem Tag Teil der Kontinuität menschenverachtender Gewalt und rechter Morde in Deutschland. Hanau wurde auch Teil der Kontinuität mangelnden Aufklärungs- und Aufarbeitungswillen.“ Nach Ansicht der Gruppe hätte sich bis auf Lippenbekentnisse seit dem mörderischen Anschlag vom 19. Februar 2020 wenig geändert.

In mehren Reden wurde einerseits die Notwendigkeit des Gedenkens herausgestellt und andererseits der in der Bundesrepublik Deutschland weit verbreitete Rassismus kritisiert. Vor allem Behörden und Medien seien an seiner Verbreitung mitschuldig. In einem gemeinsamen Beitrag der Kurdischen Jugend Dresden, Women Defend Rojava Dresden, des Kurdischen Kulturvereins und der Initiative für Frieden in Kurdistan wurde die Bezeichnung des Anschlages als „fremdenfeindlich“ durch Medien und Politik angeprangert. Er sei vielmehr Ausdruck eines tief verwurzelten Rassismus in der deutschen Gesellschaft: „Sie bezeichnen so die Ermordeten als Fremde, als Menschen, die nicht zu der deutschen Mehrheitsgesellschaft gehören würden.“ Der Umgang mit den Hinterbliebenen zeige deutlich, dass sie auch ein Jahr nach den Anschlägen nicht als Teil der deutschen Gesellschaft gesehen würden, so die Initiativen auf der Kundgebung. 

Ein kurdischer Journalist wies noch einmal auf den Zusammenhang von kapitalistischer Ausbeutung, Abschottungspolitik und Rassismus hin. Während sich Europa mit Diversität schmücke, würden gleichzeitig Menschen an den EU-Außengrenzen abgewiesen, die vor Unterdrückung  und Krieg fliehen, welcher von Europa durch Waffenexporte aktiv unterstützt werde. Seiner Ansicht nach sei ein „Antirassismus ohne Antikapitalismus, genauso wie ein Antikapitalismus ohne Antirassismus“ nicht möglich. Rassismus sei dafür verantwortlich, dass es kein gemeinsames Zusammenkommen im Kampf gegen das kapitalistische System gebe.

Bereits einen Tag zuvor, waren an verschiedenen Orten im Stadtgebiet Graffiti mit den Namen der neun Opfer des Anschlages in Hanau aufgetaucht. In einem Beitrag auf de.indymedia.org schlossen sich die Aktivist:innen den Forderungen der Initiative „Hanau 19. Februar“ nach Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen an. Staatliche Institutionen seien Teil des Problems und nicht der Lösung. „Deswegen gilt es, die Forderungen und das Gedenken in die Gesellschaft zu tragen, um nicht bei Appellen an staatliche Stellen stehen zu bleiben“, heißt es dazu auf indymedia.org.

Die verschiedenen Demonstrationen und Kundgebungen zum ersten Jahrestages des Anschlages in Hanau haben medial größere Aufmerksamkeit erhalten. Neben einem Radiofeature, in dem Sebastian Friedrich den Tag des Anschlags versucht zu rekonstruieren,  veröffentlichte die ARD eine Dokumentation, die sich mit den Folgen der Nacht für Angehörige, Freunde und Betroffene beschäftigt. Die Angehörigen der neun Ermordeten berichten darin von ihren Erfahrungen nach der Tatnacht und kritisieren erneut den Umgang der Ermittlungsbehörden. Prädikat Sehenswert.

Bild: https://twitter.com/ifk_sachsen/status/1362817086632919046


Veröffentlicht am 26. Februar 2021 um 12:42 Uhr von Redaktion in Antifa

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