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Überschaubare Proteste bei NPD-Aufmarsch in Niedersedlitz

Abgeschirmt von einem verhältnismäßig großen Polizeiaufgebot, demonstrierten am vergangenen Samstag etwa 60 Nazis durch den Dresdner Stadtteil Niedersedlitz, um damit wie schon 2015 an den Jahrestag des so genannten „Arbeiteraufstandes“ vom 17. Juni 1953 zu erinnern. Anders als noch im Vorjahr, als kaum mehr als 30 Nazis eine kurze Kundgebung unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Wiener Platz durchführten, kam es dabei in diesem Jahr zu kleineren Gegenprotesten, an denen sich jedoch nur wenige Menschen beteiligten (Fotos 1 | 2).

Nachdem sich die Nazis am Niedersedlitzer S-Bahnhof um 12 Uhr getroffen hatten, setzte sich der Aufmarsch etwa eine halbe Stunde später über die Straße des 17. Juni in Bewegung. Etwa zur gleichen Zeit gelang es trotz des großen Polizeiaufgebots etwa 30 Menschen, die Route der Nazis auf der Försterlingstraße mit einer Sitzblockade zu besetzen. Dies hatte zur Folge, dass die Polizei die von der NPD angemeldete Demonstration unter lauten Unmutsbekundungen unmittelbar an der Blockade vorbeiführen musste.

Als sich die größtenteils jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kurz darauf in Richtung eines angemeldeten Straßenfestes in der Rathener Straße entfernen wollten, griffen mehrere der sichtlich übermotivierten Einsatzkräfte die Gruppe brutal an und verletzten dabei zwei Personen. Anschließend umstellten Teile der an diesem Tag eingesetzten 300 Beamtinnen und Beamten die Gruppe in Höhe eines Supermarktes und stellten die Identität von 40 Personen fest. Auch ließ es sich die Polizei nicht nehmen, die beiden zuvor verletzten Personen wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte anzuzeigen.

Zu weiteren Protesten kam es an dem Tag in Höhe der Siemensstraße, wo lediglich 40 Menschen einem Aufruf von „Dresden Nazifrei“ und der Undogmatischen Radikalen Antifa (URA) gefolgt waren, um gegen den rechten Aufmarsch zu protestieren. Im Nachgang zeigte sich die URA wenig zufrieden mit der Beteiligung der Dresdner Zivilgesellschaft: „Für eine Stadt dieser Größe ist es jedoch traurig, wie wenig Menschen zu Protesten gegen (Neo-)Naziaufmärsche mobilisierbar sind. Die sogenannte Zivilgesellschaft von Dresden scheint wieder in die alte Taktik des Wegignorierens zurück zu fallen.“

Auf Seiten der NPD hatten sich neben alten Bekannten, wie Jens Baur, Arne Schimmer, das Ex-SSS Mitglied Thomas Sattelberg und Hartmut Krien, auch der Anmelder der Demonstrationen im Februar, Maik Müller, eingefunden. Kurzzeitig für Irritationen sorgte der ebenfalls eingeladene Tomáš Vandas von der tschechischen Nazipartei DSSS, als er sich in tschechischer Sprache an die Anwesenden richtete. Bevor der „Aktionstag“ mit einem Vortrag von Sascha Krolzig (Die Rechte) im Objekt in der Reisstraße unter Polizeischutz sein Ende fand, hielten neben Vandas auch Jens Baur und Dietmar Grahl Redebeiträge an das bis zum Schluss überschaubare Publikum.

Weiterer Artikel: Am 17. Juni demonstrierte die NPD in Niedersedlitz

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