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Angriff auf Nachbarschaftscafé in Dresden Löbtau

15. November 2021 - 10:35 Uhr

In der Nacht zum Sonntag haben in Löbtau Unbekannte eine Scheibe des Nachbarschaftsladens PlatzDa! auf der Wernerstraße 21 mit einem faustgroßen Pflasterstein eingeworfen. Zum Tatzeitpunkt befand sich eine Person in den Räumlichkeiten. Das Sicherheitsglas der Scheibe verhinderte, dass die Person verletzt wurde. Die Betreiber:innen des Nachbarschaftscafé gehen von einem rechten Tatmotiv aus. Es entstand ein Sachschaden von rund 1.500 Euro

Die Betreiber:innen des Cafés zeigten sich am Tag nach dem Angriff gegenüber addn.me geschockt. Schon zuvor war das Café rechten Parolen und Anfeindungen ausgesetzt. „Der aktuelle Angriff stellt für uns jedoch eine neue Eskalationsstufe dar, die aus der derzeitigen gesellschaftlichen Radikalisierung hervorgeht. Offenbar sind unsere Projekte und Angebote für Menschen aus dem rechten Spektrum eine solche Provokation, dass sie nicht davor zurückschrecken, Personen zu gefährden“, erklärten die Betreiber:innen.

Sie gehen davon aus, dass der Angriff gezielt und aufgrund eines rechten Motiv geschah. So waren im unmittelbaren Umfeld des Ladens am Tag danach mehrere flüchtig geklebte Sticker mit rassistischen und Corona leugnenden Inhalten aufgetaucht. Auch gehen die Betreiber:innen davon aus, dass der Stein mitgebracht wurde, da sich im der Nähe des Ladens keine Baustelle befindet.

Wie eine Person gegenüber addn.me erklärt, waren in den letzten Wochen wieder vermehrt rechte Sticker in dem Stadtteil im Dresdner Westen aufgetaucht. Als Ursache für rechte Propaganda im Stadtteil vermutet sie u.A. rechte Läden und Treffpunkte. Neben dem Thor Steinar Laden auf der Kesselsdorfer Straße ist in Dresden Löbtau auch die neurechte Burschenschaft Arminia zu Leipzig ansässig. Letztere ist eng vernetzt mit Teilen der Identitären Bewegung (IB). Darüber hinaus seien seit Beginn der Corona-Proteste vermehrt Aktivitäten aus dem verschwörungsideologischen Milieu zu beobachten.

Das Nachbarschaftscafé PlatzDa! existiert seit sieben Jahren. Neben Workshops, Vorträgen und Ausstellungen, soll der Raum Platz für Austausch bieten. Laut den Betreiber:innen habe sich der Ort in den letzten Jahren zu einem wichtigen soziokulturellen Treffpunkt etabliert. Das Kollektiv will sich von dem Angriff nicht einschüchtern lassen. „Wenn das Ziel des Angriffes war uns einzuschüchtern, haben die Täter:innen dies nicht geschafft. Wir werden uns weiterhin für ein solidarisches und partizipatives Miteinander einsetzen und laden Menschen aus dem Stadtteil dazu ein, weiterhin gemeinsam mit uns eine gerechtere und humanistische Gesellschaft über Grenzen hinweg hier Dresden zu leben“, erklärten die Betreiber:innen gegenüber addn. 

Um die Kosten für die Reparatur zu decken, will das Kollektiv zeitnah eine Spendensammlung veröffentlichen. 


Veröffentlicht am 15. November 2021 um 10:35 Uhr von Redaktion in Freiräume, Nazis, Soziales

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