Kultur

Heulen die Wölfe wieder?

15. März 2016 - 03:09 Uhr

Vom Mittwoch an findet bis zum 23. März auf dem Dresdner Neumarkt die Freiluftausstellung „Die Wölfe sind zurück“ des in Brandenburg lebenden Künstlers Rainer Opolka statt. An dem Ort, wo sonst Montag für Montag lautstark gegen geflüchtete Menschen, Politik und Medien gehetzt wird, ist für mehr als eine Woche ein großes Wolfsrudel zu Besuch, welches nach Aussage des Künstlers stellvertretend für „Hasser, Brandsatz Werfer, Neo-Nazis, wütende Pegidisten und AFDler“ stehen soll. Das Wolfsrudel besteht aus insgesamt 66 bis zu zwei Meter hohe und in Metall bzw. Bronze gegossene „Wolfsmenschen“. Allein für den Transport benötigte Opolka nach eigener Aussage fünf große Sattelschlepper.

Die Wölfe an der Frauenkirche wirken bedrohlich und werfen Fragen auf: Was passiert, wenn die Formen der Ordnung und des Zusammenhalts zerbrechen und Fremdenfeindlichkeit sich wie ein Virus ausbreitet? Wenn moralisch-ethische Regeln ihre Gültigkeit verlieren und die Gesellschaft zunehmend von Angst, Gewalt und Verrohung geprägt wird? Wenn blinder Nationalismus sich breitmacht? Wenn Menschen aus der Enge der eigenen Lebensverhältnisse eine Sichtweise entwickeln wie Kaninchen im Stall? Wenn Staaten, der inneren Verrohung folgend, auch nach außen aufrüsten und aggressivere Töne anschlagen würden?

Umgeben sind die Wölfe mit 12 drei Meter langen Informationstafeln, die Besucherinnen und Besucher zu einer Diskussion über Rassismus und Gewalt anregen sollen. Am Ende besteht für Gäste der Ausstellung die Möglichkeit, aufzuschreiben, was alle Menschen gemeinsam tun können, um den Hass zu beenden. Neben den Tafeln soll vor Ort zudem eine 40 Seiten umfassende Informationsbroschüre verteilt werden, in der noch einmal auf die Ursachen für den Hass und die rechte Hetze eingegangen werden soll. Das Ziel der Ausstellung ist zu zeigen, was passiert, „wenn der Mensch des Menschen Wolf wird“.

Geschaffen wurden die Figuren vom Taschenlampenfabrikanten und Buchautor Rainer Opolka. Die Sächsische Landeshauptstadt soll nur der Auftakt für eine Tour der Wölfe durch die gesamte Bundesrepublik sein. Der Künstler will mit seiner Kunstaktion im öffentlichen Raum die Bevölkerung nicht nur dazu anregen, mehr gegen Rassismus, Hass und Gewalt zu tun, sondern gleichzeitig auch das Schweigen über die derzeitige Entwicklung zu brechen. Opolka selbst hat sich vorgenommen, im Rahmen seiner Tour mehrere tausend Gespräche zu führen und wird aus diesem Grund täglich von 10 bis 18 Uhr fast durchgängig anwesend sein.

Interview mit Rainer Opolka:


Veröffentlicht am 15. März 2016 um 03:09 Uhr von Redaktion in Kultur

Ergänzungen

  • Wölfe in China produzieren lassen und das Kunst nennen. Ist Ihnen bekannt, das ehemalige EKO in Eisenhüttenstadt hat Riesenprobleme wegen dem billigen Stahl aus China. Ein Schloss kaufen, das vorher gern besucht wurde und Jahre lang schließen. Ich nenne das Raubtierkapitalismus.

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