Nazis

Brandanschlag in Meißen offenbar aufgeklärt

4. Dezember 2015 - 01:32 Uhr

Fünf Monate nach dem Brandanschlag auf eine für Asylsuchende vorgesehene Unterkunft in Meißen kam es am Mittwochmorgen auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Dresden zu Durchsuchungen bei insgesamt sieben Tatverdächtigen. Bei den mehrstündigen Durchsuchungen konnten nach Darstellung der Staatsanwaltschaft „umfangreiche Beweismittel“ sichergestellt werden. Zwei der Beschuldigten im Alter von 37 und 41 Jahren räumten in ersten Vernehmungen eine Beteiligung an der Tat ein und nannten Fremdenfeindlichkeit als Tatmotiv. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern vor, sich in der Nacht zum 28. Juni gewaltsam Zutritt zum Haus verschafft zu haben und das Feuer im ersten Stock mit einem Brandbeschleuniger gelegt zu haben. Ein Übergreifen der Flammen auf die zur Tatzeit bewohnten Wohnungen im unmittelbar angrenzenden Nachbargebäude konnte durch die Löscharbeiten der Feuerwehr verhindert werden.

Auch für einen Anschlagsversuch nicht einmal zwei Monate später sollen die beiden Männer verantwortlich gewesen sein. Damals waren Unbekannte in das Haus eingedrungen und hatten in zwei Bädern die Wasserhähne geöffnet, um damit das Gebäude unter Wasser zu setzen. Das Vorhaben scheiterte jedoch, da die Wasserleitung zuvor verriegelt worden war. Nachdem durch ein Öffnen des Haupthahns im Keller auch der zweite Versuch scheiterte, flüchteten die beiden nun Verdächtigen vom Tatort in der Rauhentalstraße 14. Die Schadenssumme beläuft sich auf mindestens 110.000 Euro. Ob die Taten im Zusammenhang mit den durch die rechte „Initiative Heimatschutz“ (IHS) organisierten Protesten gegen Asylsuchende stehen, ist derzeit noch unklar. Nach Aussage einer Augenzeugin hatten am Mittwochmorgen Einsatzkräfte der Polizei ein nur 100 Meter vom Tatort entferntes Haus durchsucht. Die Ermittlungen durch Staatsanwaltschaft und Polizei wegen gemeinschaftlicher schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung dauern an.

Als Reaktion auf die Vorfälle in der jüngsten Zeit, ruft das Bündnis „Buntes Meißen“ die Bevölkerung am Tag der Menschenrechte zur Teilnahme an einer Lichterkette „für ein friedliches und menschliches Miteinander“ auf. Dazu soll sich am 10. Dezember ab 17.30 Uhr eine Kette von Bürgerinnen und Bürgern mit mitgebrachten Lichtern über die Altstadtbrücke ziehen. Mit der Aktion will die Zivilgesellschaft der nur wenige Kilometer von Dresden entfernten Domstadt nicht nur ein leuchtendes Zeichen setzen, sondern auch die Gelegenheit nutzen, um das durch die Berichterstattung in den vergangenen Monaten entstandene Bild wieder zu korrigieren. Neben dem Brandanschlag im Juni hatte zuletzt die in der ARD gezeigte Dokumentation „Dunkles Deutschland – die Front der Fremdenfeinde“ über die in Meißen aktive rechte „Initiative Heimatschutz“ und ihre Zusammenarbeit mit der Alternative für Deutschland (AfD) berichtet. In den Sommermonaten hatten sich an den Demonstrationen der IHS zeitweise bis zu 500 Menschen beteiligt.


Veröffentlicht am 4. Dezember 2015 um 01:32 Uhr von Redaktion in Nazis

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