Nazis

Viel Zulauf bei rechter Veranstaltung in Meißen

6. August 2015 - 23:55 Uhr

Die Welle rassistischer Proteste reißt nicht ab. Am Mittwoch folgten in Meißen rund 500 Menschen einem Aufruf der „Initiative Heimatschutz“. Nach einer Kundgebung in der Neugasse liefen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begleitet von einem kleinen Polizeiaufgebot in einer Runde durch die Stadt. Dabei wurde in Sprechchören immer wieder der Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck gefordert, da sich beide mehrfach für Menschen mit muslimischen Glauben in Deutschland stark gemacht hatten. Wieder auf der Neugasse angekommen, folgten noch zwei abschließende Redebeiträge, bevor die Veranstaltung aufgelöst wurde. Eine Stunde zuvor hatten rund einhundert Menschen auf Einladung des Bündnisses „Meißen bleibt bunt“ auf dem Heinrichplatz gemeinsam für Weltoffenheit und Toleranz gesungen.

Neben etlichen von PEGIDA-Versammlungen bekannten Gesichtern wie etwa Achim Exner, hatten sich auch Mitglieder der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) und der sächsischen NPD eingefunden. Als Zugpferd der Veranstaltung und prominentester Redner war der Rechtspopulist Michael Stürzenberger an die Kleinstadt an der Elbe gereist, um dort wie schon bei anderen Gelegenheiten vor allem gegen den Islam und Linke zu hetzen. Vor der Hintergrund der aktuell in Landes- und Bundespolitik geführten Diskussion über eine weitere Begrenzung der Zuwanderung rief er dazu auf, in Zukunft nur noch „christliche Familien“ aufzunehmen. Seiner Ansicht nach kämen aktuell gerade aus Afrika zunehmend „junge, testosterongesteuerte und aggressive Männer“ und keine Kriegsflüchtlinge. „Idioten in Politik und Medien“ und das „Toleranzgeschwafel“ einer „Geisteskrankheit der politischen Korrektheit“ würden dafür sorgen, dass bestehende Gesetze nicht angewendet werden. Für seine Äußerungen erntete er immer wieder breite Zustimmung und Applaus.

Wie Ernst die Stimmung in Meißen zu nehmen ist, zeigt nicht nur die Anwesenheit Freitaler Nazis aus dem Umfeld der Facebookgruppe „Sachsen wach auf“, sondern vor allem der Brandanschlag auf eine für Asylsuchende vorgesehene Wohnung Ende Juni. Im Vorfeld war der Besitzer der Unterkunft nach eigenen Angaben bedroht worden. Da dabei jedoch kein Sachschaden entstanden sei, habe die Polizei keine Anzeige aufnehmen wollen. Auf einer Solidaritätskundgebung nach dem Brandanschlag hatte er von einem „gesellschaftlichen Problem“ in Meißen gesprochen und angekündigt, sich dennoch nicht unterkriegen zu lassen und das Haus so schnell wie möglich wieder herzurichten, um die Asylsuchenden willkommen zu heißen.


Veröffentlicht am 6. August 2015 um 23:55 Uhr von Redaktion in Nazis

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