Ökologie

Stadtteil und Mietenbündnis wehrt sich gegen Teil-Abholzung des Leutewitzer Parks

12. Mai 2021 - 13:32 Uhr

Am heutigen Mittwoch findet im Dresdner Stadtrat die Abstimmung über den Erhalt des Waldes im Leutewitzer Park im Dresdner Westen statt. Zahlreiche Anwohner:innen, die Bürgerinitiative „Ein Wald für Cottas Klima„, die „Recht-Auf-Stadt Gruppe Löbtau“ sowie das Dresdner Aktionsbündnis „Mietenwahnsinn stoppen“ und der Stadtbezirksbeirat Cotta setzen sich für die Grünfläche und gegen die Baupläne des Privatinvestors Uwe Köhn ein und rufen zur kritischen Begleitung der Stadtratsentscheidung auf.

Bereits seit mehreren Jahren wird um das Waldstück am Leutewitzer Park gekämpft. Der Investor Uwe Köhn plant an dieser Stelle die Abholzung des bestehenden Waldes und die Errichtung von 47 Wohnungen überwiegend im Hochpreissegment. Anwohner:innen und Bürgerinitiativen sehen jedoch einen der letzten Park- und  Erholungsmöglichkeiten in Cotta bedroht. Der Stadtteil im Dresdner Westen ist in den letzten Jahren stark gewachsen und verzeichnet regelmäßig die höchsten Bautätigkeiten in Dresden. Die Recht-Auf-Stadt Gruppe Löbtau erklärte hierzu gegenüber addn.me: “Wir unterstützen das Anliegen der Initiative „Ein Wald für Cottas Klima“ und lehnen die beabsichtigte Bebauung an dieser Stelle strikt ab. In den letzten Jahren wurde ohne Rücksicht auf das Klima jede noch so kleine Grünfläche bebaut.“ Ziel der Gruppe sei es, jene bislang noch unversiegelten Grünflächen zu erhalten, „die neben dem schrumpfenden Weißeritz-Grünzug im Dresdner Westen noch bestehen und für Investorenwünsche geopfert werden sollen“.

Der Wunsch nach mehr Grün und Erhalt von Erholungsflächen lässt sich auch indirekt aus der Bürgerumfrage 2020 und des im selben Jahr erstmals stagnierenden Bevölkerungszuwachses in Dresden ablesen. Ca. 38% der Umzugswilligen stören sich an der hohen Umweltbelastung. Hierzu das Dresdner Bündnis „Mietenwahnsinn Stoppen“: „Während am World-Trade Center innenstadtnaher Wohnraum abgerissen und an der Löbtauer Straße in Sichtweite zu den nächsten Supermärkten ein weiterer Aldi und ein DM entstehen, soll hier unter dem Argument der Wohnraumknappheit ein wertvolles Biotop zerstört werden. Für uns steht die Wohnfrage nicht im Gegensatz zum Klimaschutz und wir sehen es nicht ein, dass ein Wald die Versäumnisse der Stadt ausbaden muss. Beispielsweise stehen in der inneren Altstadt 22% der Wohnungen u.a. aus spekulativen Gründen leer und in Cotta ist trotz der hohen Neubautätigkeiten der letzten Jahre kaum eine Sozialwohnung entstanden. Wir fordern statt der Abholzung ein konsequentes Zweckentfremdungsverbot, eine deutliche Erhöhung der Sozialbauquote bei Neubauten und den Erhalt von zusammenhängenden Grünflächen, die uns Luft zum Atmen geben.“

Der Konflikt um die Bebauung des an den Leutewitzer Park angrenzenden Waldstücks schwelt schon seit mehreren Jahren. Bereits 2008 gab es die Idee, eine großflächige Einfamilienhaussiedlung mit 17 Einfamilien- und Doppelhäusern sowie zwei Mehrfamilienhäusern auf dem Waldstück entstehen zu lassen. Mit dem einsetzenden Bevölkerungswachstum in Dresden und einem veränderten Problembewusstsein zu Lebens- und Luftqualität im Stadtraum wurden diese Pläne damals verworfen. Nach mehreren Beschlüssen und Anträgen u.a. des Ortsbeirats Cotta wurde dann 2017 ein Kompromiss gefunden, der straßenbegleitend und in den hinteren Bereichen der Grundstücke den Bau von Mehrfamilienhäusern vorsah, die in den letzten Jahren bereits entstanden sind. Brisant ist dabei, dass bei der damaligen Vorstellung der Pläne, der Investor die Zusage unterbreitete, die nun in der Diskussion stehende Fläche der Stadt zu übertragen. Ebenfalls berichten Bewohner:innen der neu entstandenen  Mehrfamilienhäuser, dass beim Kauf dieser Wohnungen versprochen wurde, keine weiteren Häuser entstehen zu lassen.

Im Zuge des Wahlkampfes zur Stadtratswahl 2019 wurde dann durch die mittlerweile nicht mehr im Stadtrat vertretene Bürgerfraktion rund um den Vorsitzenden des Dresdner Mieter Vereins, Peter Bartel, die Initiative gestartet, auch die angrenzende Fläche mit Mehrfamilienhäusern zu bebauen. Dieser Antrag wurde bereits frühzeitig durch die Bürger:inneninitiativen und einer breiten Mehrheit im nun neu formierten Stadtbezirksbeirat abgelehnt, auch im Bauauschuss wurde sich mittlerweile dagegen positioniert. Dass der Antrag nun überhaupt im Stadtrat behandelt wird, erfolgte auf Initiative u.a. der Fraktion Die Linke und CDU im Bauauschuss.

Vor diesem Hintergrund rufen die Initiativen „Ein Wald für Cotta“, die „Recht-Auf-Stadt Gruppe Löbtau“, sowie das Dresdner Bündnis „Mietenwahnsinn stoppen“ zu einer kritischen Begleitung der Stadtratssitzung am heutigen 12.05.2021 ab 16 Uhr in der Messe Dresden auf und werden sich über Rederechte für den Wald und einen Stadtraum für alle stark machen. Hierzu „Mietenwahnsinn stoppen“ weiter: „Wir freuen uns über die Initiative aus den Stadtteilen und unterstützten die Mieter*innen in ihren Wünschen nach einem lebenswerten Wohnraum für Alle und den Schutz unseres Klimas. Wir wollen mit unseren Redebeiträgen an die Stadträt*innen appellieren und verdeutlichen, dass Wohnen und Klimaschutz sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern zusammen umsetzbar ist. Bisher sehen wir zu wenig Einsatz in Verwaltung und Politik, um proaktiv Grünflächen zu schaffen, die Flächenverschwendungen für die ungezügelte Expansion von Supermarktketten zu stoppen und die Bewohner*innen konsequent in die Gestaltung ihres Umfeldes mit einzubeziehen. Am Besten gelingt dies natürlich, indem Mieter*innen durch die Vergesellschaftung von großen Immobilienkonzernen selbst über ihren Wohn- und Lebensraum bestimmen können. Wir brauchen endlich langfristig bezahlbaren Wohnraum, mehr Mittel und vor allem mehr Einsatz für eine aktive Bodenpolitik der Stadt Dresden!“


Veröffentlicht am 12. Mai 2021 um 13:32 Uhr von Redaktion in Ökologie

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