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Knapp 1300 Nazis demonstrieren in Dresden

Am späten Nachmittag haben nach Polizeiangaben knapp 1.300 Nazis unter dem Motto „Recht auf Gedenken – Der Wahrheit eine Gasse!“ auf einer verkürzten Route im Dresdner Unigelände demonstriert (Fotos 1 | 2 | 3 | 4). Begleitet wurde der Fackelaufzug von einem martialischen Polizeiaufgebot durch mehrere tausend Beamtinnen und Beamte aus zahlreichen Bundesländern. Schon Stunden vor dem Aufmarsch war die Gegend zwischen dem Universitätsgelände und den Bahngleisen mit Hamburger Gittern und hunderten Einsatzkräften abgeriegelt worden. Gegen 19 Uhr erklärte die Junge Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) die Veranstaltung für beendet, kurz zuvor hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Nazidemonstration lautstark die erste Strophe des Deutschlandlieds gesungen.

Stunden zuvor hatten sich am Comeniusplatz knapp 300 zum überwiegenden Teil ältere Menschen trotz eines vom Bautzner Oberverwaltungsgericht bestätigten Verbots getroffen, um an die Dresdner Orte des Verbrechens im Nationalsozialismus zu erinnern. An der spontanen Kundgebung beteiligte sich neben dem sächsischen Linken-Fraktionschef Andrè Hahn auch der Grüne-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler und zahlreiche Dresdner Prominente (Fotos).

Schon am späten Vormittag hatten knapp 50 Menschen gegen das ihrer Meinung nach „relativierende und revisionistische Gedenken“ auf dem Heidefriedhof im Norden der Stadt protestiert. Nach einigen Minuten waren sie durch die anwesende Polizei vom Friedhofsgelände gedrängt worden. (Fotos 1 | 2) Zeitgleich legten dutzende Nazis gemeinsam mit CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Coventrys Oberbürgermeister Brian Kelsey Kränze für die Opfer der alliierten Luftangriffe auf Dresden nieder.

Nachdem sich im Zentrum der Stadt kurz vor 14 Uhr die etwa 3,5 Kilometer lange Menschenkette von mehr als 10.000 Dresdnerinnen und Dresdnern zusammengeschlossen hatte, protestierten etwa 200 Menschen erneut gegen die besondere Dresdner Form des Gedenkens (Fotos). Mit dem Ertönen der ersten Kirchenglocken bewegten sich drei kleine Spontandemonstrationen zur Frauenkirche inmitten der vom umstrittenen Versammlungsgesetz betroffenen Verbotszone. Nach dem Ende der Menschenkette zogen mehrere tausend Menschen aus der Altstadt über die Prager Straße in Richtung des Treffpunkts der Nazidemonstration am Hauptbahnhof. Wenig später schlossen sich etwa 2.000 Menschen lautstark auf dem Wiener Platz den Protesten gegen die sich sammelnden Nazis auf der Bayrischen Straße an.

Gegen 15 Uhr hatte sich an der Münchner Straße, Ecke Bergstraße eine Gruppe von lautstark Protestierenden von mehreren hundert auf knapp 1.500 Menschen erhöht (Fotos 1 | 2). Während der angemeldeten Kundgebung nimmt die Polizei immer wieder von zumeist jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wegen der winterlichen Vermummung die Personalien auf. Nachdem sich gegen 17.15 Uhr der Demonstrationszug der mehr als 1.000 angereisten Nazis in Richtung Strehlener Straße in Bewegung setzt, versuchen etwa zweihundert linke Demonstrantinnen und Demonstranten zum Nürnberger Platz zu laufen. Obwohl der Versuch von der Polizei gewaltsam verhindert werden kann, beschließt die Einsatzleitung eine Verkürzung der Naziroute vom Zelleschen Weg auf die Reichenbachstraße. Wenig später war der nunmehr schon 14. Naziaufmarsch an einem 13. Februar schon wieder Geschichte.

Weitere Artikel: Dresden: 13. Februar – Das war der Tag | Dresden 13. Februar: Naziaufmarsch gestört

Ticker mit den wichtigsten Ereignissen des Tages:

Kommentare

  1. Hechtmob sagt:

    Schöner Bericht. Und auch notwendig, nachdem in der Presse wieder vor allem nur die Menschenkette im Gespräch ist und nicht mal angekommen ist, dass die Route der Nazis um die Hälfte verkürzt wurde (Ausnahme DNN). Vielleicht will sich die Polizei aber auch kein Ärger von den Richtern einhandeln, dass sie die Route wieder nicht komplett durchgeprügelt haben. Von den Nazis auf dem Heidefriedhof schreibt auch kaum jemand,nur dass sich viele Jugendliche beteiligt hätten…

    Die Knaller von venceremos sind aber auch wieder geil. Wieso verlinkt ihr die überhaupt so kommentarlos? Die Zahlen die da genannt werden, widersprechen doch auch denen in eurem Bericht? Angeblich 200 Gegendemonstranten am Heidefriedhof? Hallo? Ich war übrigens zufällig am Altmarkt gewesen und konnte das Spektakel erleben. Von Lücke in der Menschenkette kein Spur, dafür 50 Leute die vom Kulturpalast um die Ecke Richtung Frauenkirche einbogen und beim Anblick von 15 Bullen sofort in alle Richtungen gerannt sind wie die Hasen. Schon heftig wie aus 50 plötzlich 300 werden. Wenn man daraus 100 gemacht hätte, wäre das noch vertretbar gewesen, aber so macht man sich doch nur lächerlich. Und gestört hat das kaum jemanden, die Meisten haben sicher nicht mal begriffen, was sich da für ein Spektakel abgespielt hat, so schnell wie es wieder vorbei war. Also erfolgreich gestört sieht anders aus. Da haben die 20 Leute die am morgen übern Zaun geklettert sind, wesentlich mehr geruppt.

  2. polizeibeobachtungsteam sagt:

    @hechtmob: siehst du. so unterschiedlich können die eindrücke sein. auf dem heidefriedhof waren tatsächlich nur etwa 30-40 gegendemonstrat_innen, aber es waren auch noch welche draussen die es nicht geschafft haben rein zu kommen. insgesamt vielleicht 100 würde ich schätzen. von den jahren an denen ich auf dem heidefriedhof war, war das die effektivste störung die es bisher gab. sicher steigerungsfähig, aber immerhin

    am altmarkt/frauenkirche muss ich dir aber leider widersprechen. wir haben das auch beobachtet und es waren doch deutlich mehr als 100 demonstrat_innen die an der frauenkirche angekommen sind. die 15 polizist_innen von denen du sprichst waren tatsächlich die einzigen die mit gezogenem schlagstock auf die spontandemo losgerannt sind. aber ehrlich gesagt wäre ich an der stelle der demonstrat_innen in dieser situation auch weggerannt. ich fand das völlig in ordnung. warum auch nicht? warum soll man sich denn bitteschön mit knüppel verhauen lassen? entspricht das etwa nicht deinen männlichkeitsvorstellungen von härte, stärke und revoluzzertum, dass man auch mal wegrennen darf? definitiv hätte es verletzte gegeben, wenn sie nicht weggerannt wären. und dann? ist das mutiger? oder vielleicht einfach nur dümmer?

  3. Basti sagt:

    Schlimm, dass der Rundgang zu den Täterorten verboten wurde, damit die Nazis Ihren Fackelzug ungestörter durchführen konnten.

    Ein paar Hintergründe dazu aber auch historischer Art bietet ein Gespräch mit Hennig, einem der Organisatoren dieses Rundgangs:

    http://www.freie-radios.net/mp3/20110215-tterspuren-39072.ogg

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