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Infos zum BRN-Wochenende

Für die Einen ein Grund zur Flucht, für die Anderen der willkommene Anlass dem wahrscheinlich buntesten Stadtteil Dresdens einen Besuch abzustatten. Auch am kommenden Wochenende steht die Äußere Neustadt wieder ganz im Zeichen des Stadtteilfestes „Bunte Republik Neustadt“. Ab 17. Juni werden die Straßen rund um die Alaun- und Louisenstraße drei Tage lang zur Party- und Amüsiermeile für mehr als 150.000 Besucherinnen und Besucher.

Vom einstig politischen Charakter des Straßenfestes ist inzwischen nicht mehr viel zu sehen. Zu Beginn der 90er Jahre war der Bereich zwischen der Bautzner Straße, der Königsbrücker Straße, dem Bischofsweg und der Prießnitzstraße von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Viertels zum freien Territorium mit einer eigenen Währung erklärt worden. Eine zentrale Forderung der „ordentlichen provisorischen Regierung“ war damals der Anschluss an den Vatikan, es wurde eine Regierungserklärung abgegeben und für den Zeitraum des Stadtteilfestes Dekrete erlassen. Als Symbol fungierte ein Micky Maus-Kopf auf schwarz-rot-gelbem Hintergrund.

Nachdem es bei der BRN vor zehn Jahren zu schweren Ausschreitungen zwischen Jugendlichen und der Polizei gekommen war, hatte sich der damalige Veranstalter von der Organisation des Stadtteilfestes zurückgezogen. Seitdem wird das Fest vor allem von Gewerbetreibenden und Menschen aus dem Stadtteil getragen. Durch die zunehmend kommerzielle Ausrichtung hat sich aber auch das Bild inzwischen stark verändert. Mittlerweile bestimmen vor allem Essens- und Alkoholstände das Straßenbild. So wurden allein in diesem Jahr insgesamt 230 Anmeldungen bei der Stadt abgegeben, knapp 10% mehr als im letzten Jahr. An 80 Prozent dieser Stände soll demnach Alkohol verkauft werden. Zeitgleich wird die Gegend auch in diesem Jahr wieder weiträumig von der Polizei und dem Ordnungsamt abgeriegelt werden, um damit ein allgemeines Glasflaschenverbot und behördliche Auflagen durchzusetzen. So müssten theoretisch inzwischen auch die Kleinsten eine so genannte „Sondernutzungsgebühr“ von 30 Euro für ihre Stände bezahlen. Wer vor hat, der Öffentlichkeit Musik abzuspielen, für den werden Gebühren von mindestens 70 Euro für das komplette Wochenende an die GEMA fällig.

Um einen Eindruck vom ursprünglichen Charakter des Festes zu gewinnen, dem sei ein Besuch der Martin-Luther-Straße, dem Martin-Luther Platz und der Talstraße vor allem am Sonntag nahegelegt. Darüber hinaus lohnt sich auch ein Blick in die Ausstellung des BRN-Museums im Neustädter Stadtteilhaus. Dort finden sich neben zahlreichen Fotos, Filmen und Tondokumenten auch das „originale BRN Waffeleisen“ und eine Speisekarte aus der einstigen Szenekneipe Bronxx.

Ansonsten finden für alle anderen auch abseits des allgemeinen BRN-Rummels zahlreiche Veranstaltungen außerhalb der Neustadt statt. Dazu sei zunächst noch einmal auf den späten Nachmittag des 17. Junis verwiesen. Am Freitag wollen auf dem Postplatz mehrere hundert Nazis an den so genannten „Volksaufstand“ von 1953 erinnern und wie im vergangenen Jahr durch Dresdens Stadtzentrum marschieren. Ein Bündnis aus zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Initiativen hat dafür ab 16 Uhr zu friedlichen und kreativen Protesten in Hör- und Sichtweite der Nazis aufgerufen.

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