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Mehrere massive Angriffe durch organisierte Neonazis im Raum Döbeln

Die Beratungsstelle für Betroffene rechter und rassistischer Gewalt registrierte am vergangenen Wochenende drei rechtsmotivierte Angriffe gegen nicht rechte Jugendliche im Raum Döbeln/Mügeln. Dabei wurden Personen zum Teil so schwer verletzt, dass sie stationär behandelt werden mussten.

Döbeln: In den frühen Samstagmorgenstunden (29.08.2009) griffen ca. 15 Neonazis aus der Region Döbeln und Rosswein zwei nicht rechte Jugendliche in Döbeln zuerst mit Steinen und Flaschen an. Nachdem die Betroffenen mit Pfefferspray, Teleskopschlagstöcken und Schlägen ins Gesicht zu Boden gingen, wurde minutenlang auf sie eingeschlagen und eingetreten. Traktiert zum Teil bis zur Bewusstlosigkeit ließen die Angreifer erst ab, als Bürger aufmerksam wurden. Die Angreifer stahlen die persönlichen Gegenstände der Betroffenen und beschimpften sie mit „Scheiß Zecken“. Die Täter, welche bekannte Mitglieder und Sympathisanten der nazistischen Kameradschaft Division Döbeln und Kameradschaft Striegis sind flüchteten wahrscheinlich in ihr Szeneobjekt in Döbeln.

„Die Betroffenen erlebten den Angriff als geplante Aktion gegen ihre Person. Es sind Jugendliche welche eine rechte, menschenverachtende Einstellung nicht teilen wollen.“ So André Löscher von der Opferberatung.

Die eintreffende Polizei sah es nicht für Nötig die Angreifer, welche von ihrem Szeneobjekt aus angriffen und dahin flüchteten festzustellen, stattdessen wurden die Betroffenen von den PolizeibeamtInnen kriminalisiert, beschimpft und beleidigt.

Die Division Döbeln, auch bekannt als „Initiative für Döbeln“ ist eine der aktivsten Nazikameradschaften im ehemaligen Landkreis Döbeln. Neben militanten Angriffen auf Personen, Autos und Häuser fallen die Neonazis vor allem durch Propagandadelikte (Plakatieren, Stickern, Sprühen, Transparente) und Sachbeschädigungen auf.

Die letzte Öffentliche Aktion der Neonazis aus dem Raum Döbeln war eine Demonstration am 01.11.2008 für „Härtere Strafen für Kinderschänder“, an der über 250 Nazis aus Sachsen und Sachsen-Anhalt teilnahmen. Zwei Wochen später liefen zum Wiederholten Male die Kameradschaften aus dem Raum Döbeln mit Unterstützung aus Leipzig und Chemnitz zum Volkstrauertag in Döbeln mit ca. 40 Nazis auf.

Mügeln: In Mügeln kam es vergangenes Wochenende gleich zu 3 Angriffen gewaltbereiter Neonazis.

Am späten Abend des 28.08.2009 versammelten sich etwa 50 Neonazis vor dem Vereinsgebäude des soziokulturellen Verein „Vive le Courage“. Die ortsbekannten Rechten griffen zuerst das Haus mit Flaschen und später die eintreffende Polizei mit Bierflaschen an. Die Polizei konnte einen direkten Angriff auf das Gebäude vorerst verhindern und nahm eine Person in Gewahrsam. Die Neonazis führten Elektroschocker und Teleskopschlagstöcke mit sich und zeigten vor den Augen der Polizei den Hitler Gruß. Rechte Parolen wie: „Sieg Heil“ oder „Heil Hitler“ wurden ebenfalls vernommen. Während des Übergriffes wurde eine Person durch mehrere Schläge ins Gesicht leicht verletzt.

„Der Vive le Courage e.V. ist einer der wenigen Vereine im Raum Mügeln, welche sich klar gegen eine menschenverachtende Alltagskultur einsetzen und sich durch verschiedene Projekte klar gegen Rechte Ideologien, Rassismus und andere menschenverachtende Einstellungen stellen. Diese Räume sind Rückzugsraum für Personen welche sich nicht dem rechtsdominierten Umfeld ergeben wollen. Solche Initiativen sollten mit allen Mitteln unterstützt und nicht allein mit ihren Problemen gelassen werden“ so André Löscher von der Opferberatung.

Auch vor und während der einer antirassistischen Aktionswoche welche durch den Verein initiiert wurden, kam es zu Angriffen auf Personen und das Vereinshaus. So werden seit Wochen die Schreiben des Hauses eingeworfen, rechte Sticker gegen den Verein geklebt und Personen verprügelt. Zwischenzeitlicher Höhepunkt der Angriffe war der 22.08.2009, als 10-15 Neonazis versuchten in das Vereinsgebäude einzudringen. Hierbei führten sie Gegenstände wie Teleskopschlagstöcke, Quarzhandschuhe, Schreckschusspistolen und Ketten mit sich. In derselben Nacht wurde ein Jugendlicher durch drei Neonazis in Mügeln angegriffen und durch Schläge mit Quarzhandschuhe im Gesicht verletzt.

Das Wahlergebnis in der Gemeinde spiegelt die Ursache und die Verwurzelung der Ereignisse der vergangen Tage. Mügeln gehört zu den 54 sächsischen Städte und Gemeinden Sachsens, welche ein NPD Wahlergebnis von mindestens 10,0 % erreicht haben. Interessant ist dabei die deutlich über dem Landesdurchschnitt liegende Wahlbeteiligung. So wählten in der Gemeinde 245 Personen die NPD.

Der Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP) sprach mehrmals davon, dass Mügeln kein rechtes Problem und keine Rechtsextremisten hat.

Quelle: RAA Sachsen (04.09.09)

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