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Reaktionen auf den rassistischen Mord in Dresden

mordopfer

Nach dem brutalen Mord an der schwangeren Marwa El-Sherbini am Dresdner Landgericht reißen die Proteste in der arabischen Welt nicht ab. Den deutschen Medien werfen arabischen Zeitungen und Blogs eine ungenügende Auseinandersetzung mit dem antimuslimischen Aspekt der Tat vor und versuchen Parallelen zum Mord an Neda während der Proteste im Anschluss an die Wahlen im Iran herzustellen.

Bereits am Dienstag hatte sich der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland und der Zentralrat der Muslime in einer gemeinsamen Stellungnahme besorgt über ein zunehmendes Klima aus „Demütigungen, Verdächtigungen und Diskriminierungen“ seit dem so genannten Kopftuchurteil geäußert. Auch der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, warnte gemeinsam mit seinem muslimischen Amtskollegen Aiman Mazyek am Rande eines Kondolenzbesuches am Krankenbett des Ehemanns von Marwa davor, „Islamophobie“ zu unterschätzen und zu verharmlosen. Gleichzeitig kritisierten sie die spärlichen Reaktionen in den deutschen Medien und der Politik.

In einem Brief an seinen ägyptischen Amtskollegen Ahmed Abul Gheit verurteilte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier wie auch schon der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag die Tat. Der Tod habe in seinen Augen „die Menschen in Deutschland und ihn persönlich tief bestürzt“.

Der 28jährige Täter Alex W. hatte Medienberichten zufolge wenige Minuten vor der Tat am 1. Juli damit gedroht, dass, „wenn die NPD an die Macht kommt, […] damit Schluss [ist]“ und die Frau gefragt, ob „sie überhaupt ein Recht [habe], in Deutschland zu sein?“.

Wie es um das Engagement in Dresden bestellt ist, lässt sich vor Ort nur sehr schwer einschätzen. Bis auf die ausführliche Berichterstattung in der Sächsischen Zeitung und einer Pressemitteilung des RAA Sachsen e.V. sind die öffentlich wahrnehmbaren Reaktionen auf den Mord gerade aus der Zivilgesellschaft überschaubar geblieben.

Während vor allem von Seiten der sächsischen und bundesdeutschen Politik mit Entsetzen und Unverständnis auf die rassistische Tat reagiert wurde, zeigen aktuelle Beispiele wie der unmenschliche Umgang mit den Asylbewerberinnen und Asylbewerbern in der sächsischen Kleinstadt Grimma deutlich, was von solchen Beileidsbekundungen zu halten ist. Vielleicht bietet der Fall aber auch die Chance für den Freistaat, den Worten Taten folgen zu lassen und die Situation für die vier betroffenen Familien mit ihren Kindern zu verbessern.

Für den 11. Juli ruft inzwischen der Ausländerrat Dresden e.V. zu einer Trauerkundgebung um 15 Uhr am Rathaus an der Goldenen Pforte auf.

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