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Social Center 4 All – Hausbesetzung in der Leipziger Vorstadt

Am Rande eines Straßenfestes mit Vorträgen und Workshops in der Leipziger Vorstadt besetzte gestern Abend eine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten ein seit mindestens acht Jahren leerstehendes Gebäude in der Lößnitzstraße 19, um damit einen „Ort der Solidarität und Begegnung“ zu schaffen und zugleich auf den Leerstand in ihrer Nachbarschaft aufmerksam zu machen. Noch am gleichen Abend versammelten sich bis zu 100 Menschen und diskutierten bei Musik und Essen über die Idee eines „Sozialen Zentrums für Alle“. Während die Polizei heute morgen nur kurz beim Frühstück vorbeischaute, wurde die Besetzung nach Gesprächen mit dem Hamburger Eigentümer heute vorübergehend auf die Straße verlegt.

Nachdem sich am Samstagabend gegen 20.30 Uhr Menschen zu dem Haus Zutritt verschafft hatten, wurde nach ersten Aufräumarbeiten zunächst das Erdgeschoss des jahrelang ungenutzten Wohn- und Ladenhauses begehbar gemacht. Ein Sprecher der Initiative „Social Center 4 All“ zur Besetzung: „Es ist ein unerträglicher Zustand, dass Menschen verdängt oder in Lager gesteckt werden, während ein Haus in unserer direkten Umgebung jahrelang leer steht und ungenutzt bleibt. In diesen Lagern müssen Geflüchtete in Isolation vom Rest der Gesellschaft leben. Andere werden in dieser Gesellschaft aus den Zentren der Städte verdängt. Wir wollen dem offene Räume, die von allen Menschen, unabhängig ihrer sozialen Stellung, ihres Aufenthaltsstatus oder ihrer sexuellen Identität, genutzt werden können, entgegensetzen.“

Konkrete Vorschläge für die künftige Nutzung des Gebäudes gibt es genug: „Es gibt bereits jetzt viele Ideen den zuvor leerstehende Raum mit Leben zu füllen, wie z.B. Beratungsangebote, Sprachkurse, gemeinsames Kochen und politische Debatten. Es kann Ausgangspunkt sein sich besser im Viertel zu vernetzen, sich weitergehend politisch zu organisieren und Solidarität praktisch werden zu lassen. Außerdem sind verschiedene Veranstaltungen, Vorträge oder die Nutzung als Wohnraum denkbar.“ Zugleich betonten die Besetzerinnen und Besetzer, dass alle Menschen herzlich eingeladen sind, die neu geschaffenen Räumlichkeiten zu besuchen und zusammen weitere Ideen zu entwickeln.

Erst zu Jahresbeginn war eine Initiative mit dem Vorschlag eines interkulturellen Zentrums an die Öffentlichkeit gegangen, welches jedoch bislang am Widerstand der SPD-Stadtratsfraktion scheitert. Nach ihren Vorstellungen soll auf dem Gelände der Königsbrücker Straße 117a/119 künftig neben gemeinsam von Geflüchteten sowie Dresdnerinnen und Dresdnern genutzten Wohnraum, auch ein Zentrum für Begegnungen, Kultur und Lernen entstehen. Das erklärte Ziel ist es, gemeinsam Strukturen und Rahmenbedingungen des Zusammenlebens zu erkunden, um damit einen praktischen und wichtigen Beitrag für das Zusammenleben in der Sächsischen Landeshauptstadt zu leisten.

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