Freiräume | Kultur

Tanzdemo durch Dresden

22. Juni 2014 - 22:13 Uhr

Etwa 500 Personen demonstrierten und tanzten am Samstag unter dem Motto „Check your local network“ gegen die Illegalisierung von Outdoor-Parties in Dresden. Vom Neustädter Alaunplatz ging es mit elektronischer Unterstützung über den Albertplatz bis zum Ziel der Demonstration am Großen Garten. Abgesehen von einigen pöbelnden Fans der deutschen Fußballnationalmannschaft verlief die Veranstaltung, auf der keine Nationalfahnen geduldet wurden, ohne besondere Zwischenfälle. Im Unterschied zu kriminalisierten Freiluftveranstaltungen verhielt sich auch die eingesetzte Polizei äußerst zurückhaltend.

Wie jeden Sommer zieht es auch dieses Jahr viele junge Menschen zum Feiern in die Dresdner Heide oder auf die Wiesen am Elbufer, um für ein paar Stunden die Klänge elektronischer Musik zu genießen. So kommen oft nur einige dutzend machmal auch mehrere hundert Personen zum Feiern fernab von Konsumzwang, der Enge von Veranstaltungsräumen und der eigenen vier Wände zusammen. Weitergegeben werden die Uhrzeiten und Treffpunkte zu diesen oft kurzfristig organisierten Partys über Emailverteiler, Facebook oder Mundpropaganda. Solche kleinen aber feinen Veranstaltungen, die es zu fast jeder Tages- und Nachtzeit gibt, finden vor allem an den Wochenendtagen im Umfeld zahlreicher Städte statt. Sie zeichnen sich durch eine gemütliche Atmosphäre, den DJ oder die DJane von nebenan und manchmal auch noch durch eine besonders liebevolle Dekoration aus.

Der Stadt Dresden sind diese Veranstaltungen jedoch nicht erst seit heute ein Dorn im Auge. Die Folge ist, dass viele Parties von der Polizei aufgelöst und die Anlagen beschlagnahmt werden. Während noch vor ein paar Jahren Technoveranstaltungen in leerstehenden Fabriketagen weitestgehend ungestört ablaufen konnten, häufen sich in den letzten Jahren nun Einsätze der Polizei gegen friedlich feiernde Menschen. Die Demonstration am frühen Samstagabend, die von acht Soundsystems begleitet wurde, schrieb sich als Hauptforderung einen „fairen“ Umgang der Stadt mit ihrer nichtkommerziellen Kultur auf die Fahnen. Ordnungspolitische Maßnahmen wie Bußgelder und die Beschlagnahmung von Anlagen sind leider inzwischen zunehmend zur Realität geworden. Und wer denkt, im Umland sei genug Platz, der sieht sich getäuscht. Auch weit außerhalb der Stadtgebiete werden Freetekno-Veranstaltungen nicht geduldet und die Besucherinnen und Besucher zum Ziel polizeilicher Maßnahmen.

Global Space Odyssey 2012 in Leipzig:

Ganz ähnlich sieht die Situation in Leipzig aus, wo ebenfalls jedes Jahr mit einem bunten Umzug den Forderungen nach nutzbaren Freiflächen für unkommerzielle Elektroparties zum Ausdruck gebracht werden. Nur, dort ist der Umzug selbst zum Event geworden und mehrere tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Global Space Odyssey (GSO) versichern sich alljährlich aufs neue, dass sich kulturpolitisch in der Stadt im Prinzip wieder nichts getan hat. Fortschrittlich ist hingegen das Konzept der Stadt Halle, wo derartige Events relativ einfach und kurzfristig bei der Stadt mit einem Onlineformular angemeldet werden können. Ein interessantes Modell, was sich viele auch für Dresden vorstellen könnten.

Weiterer Artikel: „Freeparty is not a crime“ – 500 Dresdner demonstrieren für freie Partys


Veröffentlicht am 22. Juni 2014 um 22:13 Uhr von Redaktion in Freiräume, Kultur

Ergänzungen

  • und wer denkt von den ganzen veganerInnen auf den FreeTekPartys an die Tiere, die Kilometerweit durch das bummbumm der bässe, die die menschen so lieben, extrem gestört werden? was haben den so viele dezibels im wald verloren? das herz des waldes schlägt sicher nicht mit 200 bpm…

  • hey abgehörter,
    netter kommentar.
    übrigens,
    für alle, die nicht nachts die auf ihr gehör angewiesenen eulen und fledermäuse mit licht und bumms stressen wollen:
    am sonntag, 29.6. ist wieder heilkräutersonntag ab 9 uhr, mit pflanzen gegen pharmaindustrie, anarchaherbalismus und literaturtausch zu themen wie z.b. nicht-invasiver geburtenkontrolle (abtreibung), . anmeldungen an rvtKLAMMERAFFEanchePUNKTno

  • Danke, abgehörter. Ehrlich, lasst den Krach aus der Heide. Das ist wie Dixieland im Zoo: der reinste Alptraum für Tiere. In der Heide könnten sie zwar in Panik fliehen, aber die wohnen da! Zum tanzen und rumlärmen haben die Menschen die ganze Stadt.

  • Radiobeitrag über die Veranstaltung gibts drüber unter http://www.freie-radios.net/64614

    des weiteren gibts zu den Naturbeschützern zu sagen: wer in der Stadt nachts lärmt wird schnell daran gehindert; schlimmer als der akustische rhythmische Impuls (der nach einer Nacht wieder vergeht) ist der Müll im Wald; & die Partys sind nicht immer nur im Naturschutzgebiet (die Bäume bleiben stehen!) auf gutem sächsischem Waldboden sondern auch auf Betonböden, in Autobahnnähe (wo der Verkehrslärm auch Dixieland meinen könnte) was trotzdem die Ordnungskräfte stört & die Feierei ein erzwungenes Ende findet…

  • Bei Veganismus gehts nicht nur um Tierschutz… und v.a. ist dieses Argument hier eines der unwichtigsten ist. Dann kannste ja gleich Festivals verbieten, wenns darum gehen würde…

    @Gwendoline
    „die ganze Stadt“ haben die Menschen eben überhaupt nicht. Forderungen von Tanzdemos nicht verstanden, setzen, 6.

  • @abgehoerter: unabhängig von dem unangenehmen Ton eines Lehrers, der abstraft statt zu erklären und der anmaßenden Selbsteinschätzung, 3 Zeilen könnten zeigen, wer wie was verstanden hat: Ich habe nicht über die Forderungen diskutiert, sondern die Interessen von Tieren thematisiert. Die Wirkungen des eigenen Handels sollten bei allen „berechtigten“, schönen oder utopischen Forderungen nicht ausgeblendet und Interessen anderer mitgedacht werden.

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