Nazis

Massives Mobbing sowie rechtsextreme Drohungen gegen interkulturellen Gemeinschaftsgarten in Prohlis

22. Juli 2020 - 14:02 Uhr

Seit mehreren Wochen kommt es zu massiven Drohungen gegen den Interkulturellen Gemeinschaftsgarten im Dresdner Stadtteil Prohlis. Unlängst fanden Betreiber:innen des Gartens ein Projektil mit aufgemalter rechter Symbolik. Der Gemeinschaftsgarten existiert seit 2017 im Stadtteil und wird vom „Verbund Sozialpädagogischer Projekte“ betrieben. Hauptthemen des Projektes sind neben dem  „Respektvollen Umgang zwischen uns Menschen und mit der Natur“ auch die Mitbestimmung und Gestaltung des Stadtteils. Der Interkulturelle Gemeinschaftsgarten ist darüber hinaus Teil des 2012 gegründetenGartennetzwerkes Dresden„. Erst vor wenigen Tagen war es in einer Sitzung des Prohliser Stadtbezirkbeirats bei der Abstimmung über einen finanziellen Zuschuss für ein interkulturelles Fest zu einem Eklat gekommen.

Am Abend des 7. Juli fand ausgerechnet das Kind einer geflüchteten Familie hinter dem Eingang des Gemeinschaftsgartens eine Patronenhülse. Sowohl dem Kind, als auch seinen Eltern war sofort klar, worum es sich bei dem Fund handelte, da die Familie aus einem Kriegsgebiet stammt. Das in Reichsfarben beschichtete Projektil mit dem von Hand aufgemalten Schriftzug „Druck18“ verweist auf eine Verkaufsplattform des mehrfach vorbestraften Nazis Tommy Frenck , welche auch rechte Musik wie z.B. der Band Stahlgewitter vertreibt, von der bereits im Frühjahr eine CD im Gemeinschaftsgarten gelegen hatte – allerdings mit handgemaltem Cover. Qualität und Perfektion der Arbeiten lassen Rückschlüsse auf die Besessenheit des Täters zu.

Angebranntes Schild am Eingang des Interkulturellen Gartens

Auch wenn das Projektil eine neue Dimension der Bedrohung aufzeigt, reiht sich der Vorfall ein in kontinuierliche Störungen, Vandalismus und Provokationen, die es seit Bestehen des Gartenprojektes im Jahr 2017 gibt. Aufkleber und Flyer am Eingang, das Verschließen des Gartentores mit einem Motorradschloss im April 2019 sowie das wiederholte Übermalen oder Anbrennen der Außenschilder, aber auch die Zerstörung der Aushänge, das Hinterlegen und über den Zaun werfen von Artikeln aus der rechten Szene, das Übermalen und damit die Zerstörung von Außenschildern, Zerstörungen im Gelände sowie rassistische Äußerungen und Beschimpfungen, die in einem Hausverbot mündeten. 

Zweimal war bereits Anzeige bei der Polizei erstattet worden, alle Anfeindungen sind als rechtsmotiviert einzustufen. Mittels einer am Zaun platzierten beschrifteten Warnweste wurde der Eindruck erzeugt, es gäbe in Prohlis eine Bürgerwehr. Auf Nachfrage im Polizeirevier Prohlis wurde dies verneint, obwohl die Schutzzonen-Kampagne der NPD dort bekannt sein müsste. Lediglich in einem Fall wurde bislang der Staatsschutz aktiv, als ein antisemitisches Manifest im Garten gefunden wurde. Das ist nun erneut der Fall.

Rechte Schmierereien und Flyer gehören im Stadtteil zum Alltag. Die gezielten Angriffe auf den Interkulturellen Gemeinschaftsgarten verstetigen sich jedoch und tragen fast immer eine identische Handschrift. Eine wachsame Nachbarschaft wäre gefragt, allerdings hält sich das angrenzende Förderschulzentrum Albert Schweitzer vornehm zurück und verweigerte den Gärtner:innen die Toilettennutzung. Trotz laufender Ermittlungen wurde am 17. Juli erneut ein Projektil in Reichsfarben und der Beschriftung „Druck18“ im Garten gefunden. So bleibt es wieder einmal Aufgabe von Antifaschist:innen nach den Rechten zu sehen, um das Projekt über eine kritische Öffentlichkeit zu schützen.

Bild: https://twitter.com/gruenlokal


Veröffentlicht am 22. Juli 2020 um 14:02 Uhr von Redaktion in Nazis

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