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Rassismus-Vorwürfe gegen Bautzner Polizei

Nachdem es auf dem Bautzner Kornmarkt am 28. Juli zu einer Reihe von Vorfällen gekommen war, sind inzwischen Rassismusvorwürfe gegen die eingesetzten Beamtinnen und Beamten laut geworden. Demnach soll ein 21 Jahre alter Jugendlicher auf seiner Flucht von der Polizei zunächst beschimpft und wenig später in einem Polizeifahrzeug bedroht worden sein. Das berichtete die Sächsische Zeitung am Mittwoch und beruft sich dabei auf Aussagen des Jugendlichen. Als Reaktion auf die Vorwürfe hatten sich führende Politiker von CDU, SPD, AfD und FDP hinter das Vorgehen der Polizei gestellt und eine mittlerweile veranlasste Verlegung des Jugendlichen in eine andere Einrichtung des Landkreises begrüßt. Um sich ein genaueres Bild von den Ereignissen zu verschaffen, wurden inzwischen polizeiinterne(!) Ermittlungen eingeleitet.

An besagtem Donnerstagabend war es in der ostsächsischen Stadt innerhalb kürzester Zeit zu mehreren Vorfällen gekommen, so dass die Polizei am Ende ihres Einsatzes von 24 Personen die Identitäten festgestellt und eine Reihe von Platzverweisen erteilt hatte. Insgesamt sechs Strafanzeigen wurden in der Zeit aufgenommen, darunter gegen einen stark alkoholisierten 34-Jährigen, der mit einer abgebrochenen Bierflasche auf eine Gruppe junger Asylsuchender losgehen wollte. Nachdem der Mann einen Platzverweis erhalten hatte, kam es zwischen ihm und einem Jugendlichen kurz darauf erneut zu einer Auseinandersetzung in deren Folge er ambulant behandelt werden musste. Im Anschluss daran soll ein 21-jähriger Asylsuchender einen ebenfalls 18-Jährigen am Wendischen Graben mit Pfefferspray attackiert haben.

Ähnlich wie im vergangenen Sommer, als Nazis und rechte Hooligans in Bautzen nahezu ungestört Jagd auf junge Migranten machen konnten, soll es auch am späten Donnerstagabend nach Angaben einer Augenzeugin kurz vor der gewaltsamen Festnahme des 21-Jährigen im Stadtzentrum von Bautzen erneut zu Jagdszenen gekommen sein. Während seine Verfolger unbehelligt blieben, soll der junge Mann der Zeugin zufolge bei seiner Festnahme von den Beamten geschlagen worden sein: „Um die Nazis scherte sich niemand. Die Polizei war ausschließlich mit einem sich nicht wehrenden A. beschäftigt. Einer schlug ihm sogar während des Aufhebens, er lag auf dem Boden, auf den Hinterkopf. Er wurde in ein Auto gebracht.“

Erst als aus anderen Revieren neue Polizeikräfte hinzugezogen wurden, beruhigte sich die Situation wieder. Als anschließend immer mehr Schaulustige am Kornmarkt eintrafen, erteilte die Polizei Platzverweise und leitete nach dem Fund von Pfefferspray, Quarzhandschuhen und einer Sturmhaube ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen zwei Bautzner im Alter von 21 und 22 Jahren ein. Wie offen die rechte Szene in der Stadt agieren kann, zeigte sich schon am Abend darauf, als zwei Jugendliche auf offener Straße von Nazis beleidigt und bedroht wurden. Nach rassistischen Pöbeleien aus einem Auto heraus, hatten die Insassen das Fahrrad eines der Jugendlichen beschädigt. Als die Polizei schließlich vor Ort über den Übergriff informiert wurde, kontrollierte sie die beiden Jugendlichen und erteilte ihnen einen Platzverweis.

Videobeitrag: Rassismusvorwürfe gegen Bautzener Polizisten

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