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Dresden: Nachttanzdemo part 2

+++ Etwa 1000 Menschen waren gestern auf der Nachttanzdemo für mehr Freiräume in Dresden. +++ Im Anschluß wurde die Hechtstraße 7 wieder besetzt. +++

Anlass für die zum zweiten Mal vom AK Freiraum aus dem Dresdner Libertären Netzwerk ausgerichtete Demonstration war konkret die Räumung der Hechtstraße 7 im März diesen Jahres und allgemein die sich verschärfende Situation für Freiräume in Dresden und anderswo. Wie zum Beispiel die Räumung der besetzten Häuser in Erfurt, Wittenberg und Prag.

Nachdem sich seit der ersten Nachttanzdemo im Mai in Dresden noch nicht viel geändert hat und engagierte Menschen, die mit Hausbesitzern und Behörden verhandeln, weitgehend hingehalten werden, versammelten sich gestern Abend auf dem Jorge-Gomondai-Platz in Dresden-Neustadt etwa 900 Menschen aus Dresden und Umland hinter acht Lautsprecherwägen. Die Lautsprecherwägen wurden von verschiedenen Spektren der Dresdner Subkultur organisiert, die sich alle für mehr Freiräume und alternatives Leben in Dresden einsetzen. Durch die dadurch angebotene musikalische Breite von Drum’n’Bass, Minimal, Hardtek, Ska, Reggea, Dancehall bis zu Punkrock, war für so ziemlich jeden was dabei. Viel Zuspruch fand ein stadtbekanntes DJ-Team, die auf dem Hauptlauti des AK Freiraum auflegten.

Am Anfang musste die Demonstration noch etwas warten, da die Polizei zwar auf Vorkontrollen verzichtet hatte, aber darauf bestand, dass erst mal aus der Demonstration alle Glasflaschen verschwinden. Während der Warterei gab es die ersten Festnahmen. Interessant war dabei, was man bei der Polizei in Dresden für Lehren aus dem Vorfall in Berlin auf der Datenschutzdemonstration gezogen hatte. Nachdem eine Person festgenommen wurde, hat man gleich im Anschluss die Person, die das Ganze gefilmt hatte, gleich auch noch mitgenommen.

Nach über einer Stunde hatte sich die Anzahl der Glasflaschen auf der Demonstration auf ein für die Polizei tolerierbares Maß reduziert, und so setzte sich die Demonstration vor allem tanzend in Richtung Äußere Neustadt in Bewegung. Obwohl die Äußere Neustadt für einen Sonnabendabend relativ leer wirkte, da die meisten sich der Demonstration wohl schon von Anfang an angeschlossen hatten, war die Teilnehmerzahl nach Verlassen des Szeneviertels noch um etwa 100 Teilnehmer gewachsen.

Auf dem Weg in Richtung Altstadt fing die Polizei dann an jeder Kreuzung, von der man die Route in Richtung Endpunkt Bahnhof Neustadt hätte abkürzen können, zu quengeln. Die ganze Sache fing an ihnen zu lange zu dauern, woran sie selbst mit Schuld waren, und zu anstrengend wurde. Auf die in der ersten Reihe laufenden, schon deutliche Ermüdungszeichen zeigenden, Beamten wurde jedoch keine Rücksicht genommen und über die Carolabrücke ging es in Richtung Altstadt zur Synagoge, wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Hier wurde in Redebeiträgen, die Freiraumsituation in Dresden und in anderen Städten beschrieben und wieso Kapitalismus unter anderem deswegen ein Problem darstellt. Grüße gingen raus an die am selben Tag stattfindende Freiraumdemonstration in Wittenberg.

Weiter ging es über die Brühlsche Terasse, so dass auch noch einige Touristen und andere Besucher der nächtlichen Festivitäten in der Dresdner Altstadt in den Genuß der Nachttanzdemonstration kamen. Am Theaterplatz wurde vom Hauptlauti noch ein obligatorischer, kurzer Redebeitrag der Antifagruppe „¡No pasarán!“ Dresden zum nächsten 13. Februar vorgelesen, bevor es über die Augustusbrücke zurück in Richtung Bahnhof Neustadt ging. Einige vor der Demonstration laufende Polizisten humpelten die letzten Meter mehr, als dass sie liefen, und boten angekommen auf dem Schlesischen Platz vorm Bahnhof ein Bild der Erschöpfung, während der Punkrocklauti die Stimmung bei den Demonstranten und den zahlreich vorhandenen nächtlichen Bahnhofbesuchern mit Klassikern wie „Straßenkampf“ von den Skeptikern hob. Inzwischen war es schon etwa eine Stunde nach Mitternacht und die Demonstration löste sich dann relativ zügig ohne weitere Vorkommnisse auf.

Im Anschluß wurde von einigen Freiraumaktivisten noch die Hechtstraße 7 wieder besetzt, die dann gegen 5:30 Uhr wieder geräumt wurde. Zwei Aktivisten, die sich mit Rohren an die Wand gekettet hatten, wurden vorrübergehend in Gewahrsam genommen, sind inzwischen aber wieder auf freiem Fuß.

Die Demonstration hat deutlich gezeigt, dass es in Dresden durchaus ein großes Interesse an Freiräumen und alternativem Leben gibt und man nicht gewillt ist, von den Behörden weiter verschaukelt und herumgeschubst zu werden.

Quelle: Indymedia (20.09.09)

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