Antifa

Antikoloniale Straßenumbenennung in Löbtau

30. Juni 2020 - 11:13 Uhr

Aktivist:innen der Antifaschistischen Initiative Löbtau (A.I.L.) haben am vergangenen Wochenende die Straßenschilder der Columbusstraße überklebt. Die Straße trägt nun den Namen der am 3. März 2016 ermordeten Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres aus Honduras. Die Gruppe wollte sich mit der Aktion nach eigener Darstellung sowohl mit den Protesten der „Black Lives Matter„-Bewegung solidarisieren, als auch auf Spuren des Kolonialismus im Stadtbild aufmerksam machen. Bereits vor vier Jahren hatte eine Gruppe die Straße kurzzeitig nach der feministischen Aktivistin benannt.

Die Proteste der „Black Lives Matter“-Bewegung richten sich nicht nur gegen den offenen und strukturellen Rassismus, sondern stellen auch die Frage nach der Sichtbarkeit kolonialer Vergangenheit. Weltweit kritisieren Aktivist:innen die unhinterfragten kolonialen Spuren, die ihnen täglich begegnen. Für besonderes Aufsehen haben dabei die Zerstörungen von Denkmälern, wie die des Sklavenhändler Edward Colston in Bristol oder des Kolonialherrschers Leopold II. in Antwerpen gesorgt. Für die Aktivist:innen von BLM stehen diese Statuen symbolisch für die nicht aufgearbeitet koloniale Geschichte des Westens.

Auch in Dresden gingen vor drei Wochen mehrere tausend Menschen in Solidarität mit der Bewegung auf die Straße, die seit der Tötung des schwarzen Amerikaners George Floyd durch Polizisten in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota in den USA und weltweit anwächst. Der Umstand, dass sich die größte Demonstration der Landeshauptstadt in diesem Jahr gegen Rassismus und Ausgrenzung richtete, macht den Aktivist:innen der A.I.L. Mut. Gegenüber addn.me führten sie an, dass es bei Demonstrationen nicht stehen bleiben darf. „Besonders für ‚weiße‘ Deutsche ist es notwendig, die kolonialen Spuren in der Stadt aufzuarbeiten“, führten sie weiter aus. Die Umbenennung der Columbusstraße soll dazu ein erster Beitrag sein.

Besondere Kritik übten sie dabei an der Romantisierung von Christoph Columbus. Ihrer Meinung nach würde der Seefahrer vor allem als „Abenteurer“ dargestellt und die koloniale Verantwortung kaum beleuchtet. “Die Seefahrten von Columbus, und die Ankunft der Europäer*innen auf dem amerikanischen Kontinent hatte die Ermordung und Versklavung der indigenen Bevölkerung durch die Europäer*innen zur Folge“, konkretisierte die Gruppe ihre Kritik. Der „rassistische und imperialistische Machtanspruch der Europäer*innen“ habe den Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt.

Seit vergangen Wochenende trägt die Columbusstraße nun den Namen der Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Cáceres hatte in Honduras mit der Organisation COPINH (Rat der Basis- und Indigenenorganisation von Honduras) für die Rechte der indigenen Bevölkerung und gegen Kapitalismus, Patriarchat und Rassismus gekämpft. Die Aktivistin wurde am 3. März 2016 in ihrem Haus von unbekannten Angreifern erschossen. Die Organisation medico international kritisierte damals den Mord und die Menschenrechtsverletzungen in Honduras, die nach ihren Recherchen in „direktem Zusammenhang mit Großprojekten europäischer Geldgeber und Firmen begangen“ wurden.

Für die Aktivist:innen der A.I.L. steht nicht nur die Kritik an Christoph Columbus im Vordergrund, sondern auch die Würdigung der Menschenrechtsaktivistin. „Wir finden, dass Berta Cáceres mit ihrem Kampf für Humanismus und Menschenrechte ein echtes Vorbild für unsere Gesellschaft sein kann“, präzisierte ein Sprecher der Gruppe die Aktion gegenüber addn.me. Ihrer Meinung nach sind Straßennamen auch Orte des Erinnerns und dienen der Würdigung gesellschaftlicher Persönlichkeiten.

Es war nicht die erste Umbenennung der Columbusstraße. Bereits kurz nach der Ermordung von Berta Cáceres benannte die „Antikoloniale Aktion“ 2016 die Straße nach der Indigenen Aktivistin. Im selben Jahr benannten Aktivist:innen der A.I.L. die Straße im Gedenken an die Opfer des rechten Terrornetzwerks NSU in Halit-Yozgat-Straße um. In Dresden beschäftigt sich die Gruppe „Dresden postkolonial“ seit mehreren Jahren mit postkolonialen Machtstrukturen und Widerständen.


Veröffentlicht am 30. Juni 2020 um 11:13 Uhr von Redaktion in Antifa

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