Antifa

Rechte Burschenschaft in Dresden besprüht

10. Juli 2020 - 15:17 Uhr

Nach Medieninformationen der Dresdner Neuesten Nachrichten wurde am vergangenen Wochenende die rechte Burschenschaft Cheruscia besprüht. In der Vergangenheit fiel der Männerbund immer wieder durch seine Nähe zu rechten Kreisen auf. Es soll ein Sachschaden von mehreren hundert Euro entstanden sein. Auf einem Bild, welches in der DNN veröffentlicht wurde, ist das Gebäude der Burschenschaft auf der Eisenstuckstraße 50 in der Südvorstadt zu sehen. Die Fassade des Hauses ist mit dem Sprüchen „Burschis Enteignen“ besprüht. Auch wenn die DNN von vermeintlichen Linken spricht, finden sich auf der Seite der Polizei Sachsen keine Informationen zum politischen Hintergrund der Aktion. Auch ein Bekenner:innenschreiben war auf einschlägigen Seiten nicht zu finden.

Fakt ist aber, dass die Aachen-Dresdener Burschenschaft Cheruscia in der Vergangenheit immer wieder in einschlägig rechten Kreisen aufgetreten ist. 2011 übernahm sie den Vorsitz der „Deutschen Burschenschaft“, einem der extremen Rechten nahestehenden Dachverband. Pressesprecher des Verbandes ist mit Phillip Stein kein Unbekannter. Stein gilt als Kopf des rechten Ein-Prozent-Verein, der unlängst von Facebook als Hassorganisation gesperrt worden war. Stein selbst ist Mitglied der Marburger Burschenschaft Germania und steht der Identitären Bewegung (IB) nah.

Immer wieder fanden Veranstaltungen in dem Haus der Burschenschaft statt, die zumindest auf das reaktionäre Weltbild der Vereinigung schließen lassen. So sprach am 10. November 2005 bei der Cheruscia Hans Meiser aus Österreich zum Thema „Das Tribunal – die Nürnberger Prozesse“. Von ihm ist ein gleichnamiges Buch im extrem rechten Grabert-Verlag erschienen. Am 11. Dezember 2008 referierte Ralf Küttelwesch über den „konservativen Rausch“. Küttelwelsch war Anfang der 1990er Funktionär der „Initiative Gesamtdeutschland“ und aktiv in der völkischen Jugendorganisation „Sturmvogel„, einer Abspaltung der 1994 vom deutschen Innenminister verbotenen „Wiking-Jugend“ (WJ).

Für Kritik seitens des StuRas der TU-Dresden sorgte ein Vortrag des Politikwissenschaftlers Werner J. Patzelt. 2011 referierte dieser im Haus der Burschenschaft zum Thema „Wieviel Platz ist zwischen CDU und NPD?“. Der StuRa forderte den Professor damals in einer öffentlichen Stellungnahme dazu auf, sich von der Burschenschaft zu distanzieren. „Gerade als Politikwissenschaftler darf er rassistische und nationalistische Gruppen mit Verbindungen zu neonazistischen Kreisen nicht legitimieren. Der Besuch steht somit den Bemühungen der TU-Dresden entgegen, rechten Gruppen an der Universität keinen Raum zur Rekrutierung zu bieten.“, hieß es in der Erklärung. 

Eine Distanzierung seitens des umstrittenen ehemaligen TU-Professors gab es nie. Das „Referat für politische Bildung“ hatte 2010 eine Broschüre unter dem Titel „Verbindungen – ein alter Hut“ herausgegeben, in welcher u.a. über die Aktivitäten der Dresdner Burschenschaften berichtet wurde. 

Patzelt steht schon seit längerer Zeit als „Pegida-Versteher“ in der Kritik und hat neben der CDU auch die AfD-Sachsen in politikwissenschaftlichen Fragen beraten. Mit der Begründung, er habe „Politik und Wissenschaft derart vermischt […], dass dem Ruf der TUD und der Fakultät dadurch geschadet wurde“, wurde dem ehemaligen Professor die Seniorprofessur nicht genehmigt.

In letzter Zeit war es jedoch eher ruhig um die Burschenschaft Cheruscia. Dies könnte auch daran liegen, dass mit der Arminia und der Salamandria mittlerweile zwei aktive rechte Burschenschaften in der Stadt existieren, die wesentlich offener auftreten. In ersterer sind einige alte Cheruscia Mitglieder aktiv, wie der AfD-Stadtrat Gordon Engler. Auch wenn sich auf der Internetseite der Burschenschaft kaum noch politische Veranstaltungen finden lassen, bleibt der Männerbund weiterhin ein Sammelbecken für reaktionäre Ideen.


Veröffentlicht am 10. Juli 2020 um 15:17 Uhr von Redaktion in Antifa

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