Freiräume

Spendenlauf für Hausbesetzungen in Dresden

25. Juni 2020 - 13:04 Uhr

Am vergangenen Samstag nahmen etwa 160 Menschen am Spendenlauf für die Besetzer:innen des Putzi-Geländes auf der Königsbrücker Straße teil. Zuvor hatten die Teilnehmer:innen nach Spender:innen gesucht, die für jeden gelaufenen Kilometer einen bestimmten Betrag bereitstellten. Schlussendlich kamen mehrere tausend Euro zusammen, die für die anstehenden Prozesse aufgewendet werden sollen. Nachdem beim ersten Prozess die Besetzer:innen zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt wurden, soll der nächste Gerichtstermin am 2. Juli stattfinden. Organisiert wurde der Lauf unter anderem von der Undogmatischen Radikalen Antifa Dresden (URA). Zuvor gab es vor der Vonovia am Albertplatz eine Aktion im Rahmen des bundesweiten Aktionstag des „Mietenwahnsinn Stoppen“ Bündnisses.

Es war eine Szenerie, die es in Dresden zuvor noch nicht gegeben hatte. Rund 160 Läufer:innen versammelten sich am Samstagvormittag sportlich gekleidet am Afropa Verein für afrikanisch-europäische Verständigung, gegenüber des zu Jahresbeginn besetzten Putzi-Gebäudes der Königsbrücker Straße. Vor dem Lauf wurden in mehreren Redebeiträgen die Wohnungsnot, teure Mieten und das Recht auf Stadt thematisiert. So kritisierte die „gruppe polar“ die Ungleichbehandlung bei den Kosten: „Spätestens seit der letzten Finanzkrise hat die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Gewinne über Gewinne aufgehäuft. Die Rechnung haben wir Mieter*innen bezahlt.“ Im Kontext von Corona, aber auch darüber hinaus forderte die Gruppe stattdessen einen „Mietschuldenerlass bei Wohnraum und Kleingewerbe“, „Wohnungen für alle“ sowie eine Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen und eine Umverteilung der Gewinne.

Nach den Beiträgen stellten sich die Läufer:innen auf. Aufgrund des großen Andranges wurde der geplante Start auf zwei ausgeweitet. Wurde der erste Kilometer noch gemeinsam gelaufen, trennten sich die Läufer:innen danach. Alle, wie sie konnten und wollten: Während einige die Strecke schnell liefen, entschieden sich wieder andere dazu, die zehn Kilometer lange Strecke entlang zu spazieren. Am Streckenrand hatten verschiedene Gruppen aus Dresden Stände aufgebaut, an dem sich jeweils ein Stempel abgeholt werden konnte, der bestätigte, dass die Strecke abgelaufen wurde. Darüber hinaus gab es Erfrischungsgetränke, kleine Spiele und Informationsmaterial. Neben der Antifaschistischen Initiative Löbtau (A.I.L.), dem Internationalistischen Zentrum Dresden war auch die Nachbarschaftsbibliothek Malobeo mit einen ausgeschmückten Stand vertreten. Letztendlich erreichten alle Läufer:innen das Ziel. 

Für sichtbare Nervosität bei der Dresdner Polizei sorgte ein in sozialen Netzwerken veröffentlichtes Bild der Gruppe „Wir besetzen Dresden„. Darauf waren die Läufer:innen aus der Perspektive des ehemals besetzten Hauses zu sehen. Die bereits seit Freitagabend vor dem Gebäude präsente Polizei suchte daraufhin mehrmals das Gelände ab, ohne jedoch fündig zu werden, wer und wo das Bild gemacht wurde.

Der Putzi-Lauf fand am bundesweiten Aktionstag „Shut down Mietenwahnsinn – für ein sicheres Zuhause für alle! statt, an dem sich auch das Dresdner Bündnis „Mietenwahnsinn stoppen“ beteiligte. Vor der Geschäftsstelle der Vonovia am Albertplatz forderte es einen Mietschuldenerlass. Mit Plakaten und Transparenten machten sie auf die dubiosen Praktiken des größten Wohnungsanbieter in Dresden aufmerksam und forderten die Enteignung von Immobilienfirmen. Unlängst veröffentlichte addn.me eine Recherche zu den Millionen Dividende des Unternehmens im Geschäftsjahr 2019. Der ursprünglich im März geplante Aktionstag „Shutdown Mietenwahnsinn“ war wegen Corona abgesagt worden. Vergangenen Samstag gingen schließlich mehrere tausend Menschen in verschiedenen Städten trotz teilweise schlechten Wetters auf die Straße.


Veröffentlicht am 25. Juni 2020 um 13:04 Uhr von Redaktion in Freiräume

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.