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Lingnerschloss zeigt Haltung und entzieht rechtem Magazin die Bühne

7. Januar 2020 - 00:05 Uhr

Eine für das erste Halbjahr 2020 geplante Veranstaltungsreihe des rechten „Tumult – Magazin für Konsensstörung“ verliert erneut ihren Veranstaltungsort. Nachdem bereits der Dresdner Piano-Salon im Coselpalais dem Verein die Nutzungsrechte für seine Räumlichkeiten entzog, folgt nun auch das Lingnerschloss. Die seit 2014 vierteljährig erscheinende Zeitschrift „Tumult“ zählt zu einem der wichtigsten Publikationsmedien der sogenannten Neuen Rechten.

Im November sorgte eine Podiumsveranstaltung mit dem neurechten Verleger Götz Kubitschek und führenden AfD-Funktionären im Piano-Salon an der Frauenkirche für Diskussionen. Nach öffentlicher Kritik am Piano-Salon, mit der Veranstaltung menschenverachtenden Positionen eine Bühne zu bieten, meldete sich deren Chef Bert Kirsten zu Wort. In einem auf Twitter verbreiteten Statement berichtete Kirsten, im Vorfeld der Podiumsdiskussion mehrere Nachrichten zu fragwürdigen Aussagen von Kubitschek bekommen zu haben. Aus diesen Grund, so Kirsten, habe er sich einen Anwalt genommen und eine „Ansprache über den humanistischen Geist des Hauses gehalten und betont, daß ich den Raum sofort räumen lasse, wenn diese Vorgaben nicht eingehalten werden“.


Darüber hinaus zog Kirsten auch weitergehende Konsequenzen und kündigte im Nachgang die Kooperation mit dem Tumult-Magazin, welches ursprünglich eine sechsteilige Veranstaltungsreihe in den Räumlichkeiten durchführen wollte. Als Referentinnen und Referenten waren unter anderem der konservative Dresdner Publizist Uwe Tellkamp, die Radebeuler Literaturwissenschaftlerin Bettina Gruber, welche unlängst eine Veranstaltung des Manuscriptum-Verlages mit Björn Höcke moderiert hatte, sowie der persönliche Referent von Alexander Gauland geladen.

Nach der Kündigung des Piano-Salon schrieb das Team um Herausgeber Frank Böckelmann auf der Seite des rechten Magazins von „Tugendterror“ und „selbstherrlichen Gesinnungswächtereien“. Ein neuer Veranstaltungsort war laut Tumult zu diesem Zeitpunkt zunächst nicht in Sicht. Ende Dezember 2019 wurde dann bekannt gegeben, dass mit dem Lingnerschloss ein neuer repräsentativer Ort gefunden wurde. Zu diesem Zeitpunkt bestand jedoch auf Nachfrage von addn.me noch keine vertragliche Vereinbarung zwischen dem Lingnerschloss und dem Tumult Forum. Vor wenigen Tagen gab das Magazin schließlich öffentlich bekannt, dass das Lingnerschloss die mündliche Zusage zur Veranstaltungsreihe zurückgezogen habe. 

Gegenüber der Sächsischen Zeitung äußerte sich das Vorstandsmitglied Ines Eischler: „Es war erst mal nicht erkennbar, was dahintersteckt“. Nachdem der Vorstand des Fördervereins von Außen auf die Aktivitäten des Tumult Magazins aufmerksam gemacht wurde, stellte dieser fest, „dass deren politische Ausrichtung den Zielen unseres Vereins widerspricht“. Für den Verein soll das Schloss an den Elbhängen in Dresden vielmehr ein „Symbol sein für Weltoffenheit und kulturelle Vielfalt, für Gestaltungsfreiheit und gesellschaftliche Transparenz“. Die Entscheidung des Fördervereins ist somit mehr als konsequent zu bezeichnen, auch wenn der Vorstand des Fördervereins gegenüber der Sächsischen Zeitung und Tag24 die Absage mit einer Wahrung politischer Neutralität begründete.

Bild: Stefan Bauckmeier


Veröffentlicht am 7. Januar 2020 um 00:05 Uhr von Redaktion in Antifa, Nazis, News

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