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Sommer, Sonne, Politik – Faetzig campen in Ostsachsen

Am Rande des diesjährigen Faetzig-Camps in Zentendorf, einem Mix aus Sommercamp, Workshops und Punkrock, kam es am Freitag zu einer Reihe von Protestaktionen im benachbarten Görlitz, die sich gegen staatliche Zwangsmaßnahmen richten sollten. Die Protestierenden statteten dabei in den Mittagsstunden mit einer Ralley der örtlichen Ausländerbehörde, dem Arbeitsamt, dem Amtsgericht und dem lokalen AfD-Büro einen Besuch ab. Bei ausgelassener Stimmung gab es Konfettiwürfe und Sprechchöre. Dass mit den Aktionen ein wunder Punkt im beschaulichen Görlitz getroffen wurde, zeigen die Identitätsfeststellungen im Nachgang.

Nachdem die wegen der Aktionen in Alarmbereitschaft gesetzte Polizei in der Görlitzer Innenstadt eintraf, nahm sie nach eigenen Angaben insgesamt sieben Personen im Alter zwischen 17 und 32 Jahren wegen „Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ vorläufig in Gewahrsam und erteilte einigen Menschen aus der Gruppe ein bis zum Sonntag geltendes Aufenthaltsverbot. Auch eine kurz darauf spontan angemeldete Versammlung zur Unterstützung der Menschen fand nur wenig Zustimmung und wurde schließlich abgesagt, da sonst die festgenommenen Menschen nicht freigelassen worden wären.

Unmittelbar nach den Aktionen schwang sich die Lokalpresse zum Sprachrohr der AfD auf, indem sie den örtlichen Landtagsabgeordneten und Polizeikommissar Sebastian Wippel wortwörtlich mit Tiraden gegen den seiner Ansicht nach „lange verharmlosten Linksextremismus“ zitierten. Angeblich sei während der Aktion in dessen Bürgerbüro bei dem Versuch, Informationsmaterial zu entwenden, einer seiner Mitarbeiter verletzt worden. Ob eine Kleine Anfrage des ehemaligen FDP-Politikers Licht ins Dunkel bringen wird, bleibt abzuwarten.

Währenddessen verlief das Faetzig-Camp wie schon in den vergangenen Jahren harmonisch. Tagsüber gab es Workshops zu Anarchosyndikalismus, selbstverwaltetem Wohnen, rechten Strukturen in der Region und vielem mehr. Abends folgten Konzerte und nettes Beisammensein. Viele Ansässige sowie Besucherinnen und Besucher von nah und fern nutzten die Angebote zur Vernetzung und genossen den zeitlich begrenzten Freiraum an der Lausitzer Neiße, der die Menschen mit mehr als nur Musik zu verbinden wusste. Trotz eines neuerlichen Erstarkens der rechten Szene in Bautzen und Löbau, zeigt der Erfolg des Camps einmal mehr, dass linke Gegenkultur in Ostsachsen lebendig ist und gerade für viele junge Menschen eine echte Alternative zur rechten Alltagshegemonie in Sachsen darstellt.

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