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Flucht in die Freiheit

21. Januar 2020 - 14:12 Uhr

Am Samstagnachmittag sind in Dresden drei Personen aus der Abschiebehaftanstalt in der Hamburger Straße geflohen. Das musste das Lagezentrum der Dresdner Polizei auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung bestätigen. Die drei Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren, welche erst vor wenige Wochen in Haft genommen wurden, nutzten nach Aussage von Walter Bürkel, dem Vizepräsident der Landesdirektion, einen Hofgang und bauliche Mängel aus und konnten trotz der Anwesenheit von Sicherheitspersonal und Kameras mit unbekanntem Ziel entkommen. Während zwei der Männer bereits zu Jahresbeginn aus unterschiedlichen Gründen in Haft kamen, um später abgeschoben zu werden, war einer der Insassen erst in der vergangenen Woche in Gewahrsam genommen worden.

Auch die Abschiebehaftkontaktgruppe meldete sich zum Vorfall zu Wort. Nach ihrem Kenntnisstand soll einer der Betroffenen in den kommenden Wochen Vater werden und lebte bis zu seiner Ingewahrsamnahme bei der Kindsmutter. „Ihre gemeinsame Zukunft hatten sie bereits entworfen. Die gemeinsame Wohnung ist schon angemietet. Herr H. gehörte ganz selbstverständlich zur Familie von Frau S.“, äußerte sich Toni Kreische von der Abschiebehaftkontaktgruppe. Auch die Familie der Frau soll das Paar bisher in allen Lagen unterstützt haben. Besonders kritisiert die Gruppe, dass das Amtsgericht Dresden sich die familiäre Situation des Tunesiers zwar anhörte, aber im Haftbeschluss mit keinem Wort erwähnte.

https://twitter.com/sfr_ev/status/1219284310651437056

Insgesamt wurden seit Dezember 2018 mehr als 150 Menschen in Abschiebgewahrsam genommen; die tägliche Maximalbelegung liegt derzeit bei rund 12 Personen. Nach Einschätzung der Landesdirektion geht von den drei am Samstag geflohenen Männern keine Gefahr aus. Anders als es medial häufig versucht wird darzustellen, haben die meisten der inhaftierten Menschen zuvor keine Straftaten begangen. Vielmehr reicht eine Annahme von Behörden aus, dass sich diese Menschen einer Abschiebung entziehen könnten, um bis zu sechs und in Ausnahmefällen bis zu 12 Monaten inhaftiert zu werden. Der geglückte Ausbruch vom zurückliegenden Wochenende war zugleich auch der erste in der noch jungen Geschichte der im Dezember 2018 für knapp 12 Millionen Euro neu errichteten Abschiebungshaftanstalt.


Veröffentlicht am 21. Januar 2020 um 14:12 Uhr von Redaktion in News, Soziales

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